Radio Chiflado http://RadioChiflado.blogsport.de Texte und Töne zum libertären Alltag Wed, 28 Mar 2018 18:54:03 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Mitford Jessica: Für die Abschaffung der Gefängnisse http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/24/mitford-jessica-fuer-die-abschaffung-der-gefaengnisse/ http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/24/mitford-jessica-fuer-die-abschaffung-der-gefaengnisse/#comments Mon, 24 Dec 2012 19:29:15 +0000 Administrator Allgemein http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/24/mitford-jessica-fuer-die-abschaffung-der-gefaengnisse/

(Original 1973, deutsche Erstausgabe 1977 Verlag Büchse der Pandora)

Inhalt:
1. Das reformistische Konzept
2. Das Konzept der Abschaffung
3. Falsche Freunde
4. Argumente für die Abschaffung der Gefängnisse
5. Das Massachusett-Experiment
6. Auswertung des Massachusett-Experiments
7. Wer ist „gefährlich“
8. Das Gefängnis als politische Waffe der Herrschenden
9. Alle Gefangenen sind politische Gefangene
10. Die Reformisten
11. Negative und positive Reformen
12. Die Organisation der Gefangenen
13. Schluss

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Die komplette Broschüre kann hier
http://archive.org/details/JessicaMitfordFrDieAbschaffungDerGefngnisse“>

gelesen oder runtergeladen werden !!!

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http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/24/mitford-jessica-fuer-die-abschaffung-der-gefaengnisse/feed/
„Je mehr der Mensch an den Religionen hängt …. „(Die Gottespest) http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/15/je-mehr-der-mensch-an-den-religionen-haengt/ http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/15/je-mehr-der-mensch-an-den-religionen-haengt/#comments Sat, 15 Dec 2012 12:00:23 +0000 Administrator Allgemein http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/15/je-mehr-der-mensch-an-den-religionen-haengt/


Je mehr der Mensch an Religion hängt, desto mehr glaubt er. Je mehr er glaubt, desto weniger weiß er. Je weniger er weiß, desto dümmer ist er. Je dümmer er ist, desto leichter kann er regiert werden! — Dieser Gedankengang war den Tyrannen aller Länder und Zeiten geläufig, daher standen sie auch stets mit den Pfaffen im Bunde.“ (Johann Most „Die Gottespest)

http://www.dadaweb.de/wiki/DadA-Podcast_1″>

(In einer Kooperation von DadaWeb und Radio Chiflado vom 18. Dezember 2007, Sprecher: Wolfram Haack)

Hier die schriftliche Form: http://de.wikisource.org/wiki/Die_Gottespest“>

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http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/15/je-mehr-der-mensch-an-den-religionen-haengt/feed/
Wähl dir deinen eigenen Reichstag ! http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/13/waehl-dir-deinen-eigenen-reichstag/ http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/13/waehl-dir-deinen-eigenen-reichstag/#comments Thu, 13 Dec 2012 13:14:07 +0000 Administrator Allgemein http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/13/waehl-dir-deinen-eigenen-reichstag/ Heisse Dezembertage und ein feuriges Jahr 2013 wünschen Marinus und Radio Chiflado !!!

(Entwurf: Marcos Carrasquer)

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Rudolf Rocker: Anarchismus und Organisation http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/12/rudolf-rocker-anarchismus-und-organisation/ http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/12/rudolf-rocker-anarchismus-und-organisation/#comments Wed, 12 Dec 2012 15:09:40 +0000 Administrator Allgemein http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/12/rudolf-rocker-anarchismus-und-organisation/
(8. Dezember 2012 Kairo)


Es ist durchaus kein erfreuliches Zeichen, das „man“ sich
in anarchistischen Kreisen über diese Frage noch immer
nicht klar zu sein scheint – obwohl sie für die anarchi-
stische Bewegung als solche und ihre weitere Entwick-
lung von schwerwiegender Bedeutung ist. Gerade hier in
Deutschland sind die Ansichten über diese Frage ganz
besonders verworren, woran natürlich die besonderen Um-
stände, unter denen sich der moderne Anarchismus hier
entwickelte, ein gut Teil mit verantwortlich sind. Ein
Teil der „Anarchisten“ in Deutschland lehnt jede Orga-
nisation mit bestimmten Richtlinien prinzipiell ab, weil
er der Meinung ist, daß das Bestehen einer solchen den
anarchistischen Ideengängen direkt zuwiderlaufe. Andere
wieder anerkennen die Notwendigkeit kleiner Gruppen,
verwerfen aber jeden engeren Verband der einzelnen Grup-
pen, wie er z. B. in der „Anarchistischen Föderation
Deutschlands“ gegeben ist, da sie in einem solchen Zu-
sammenfassen der Kräfte eine Beschränkung der individu-
ellen Freiheit und eine autoritäre Bevormundung der
einzelnen erblicken. Wir sind der Meinung, daß solche
Ansichten auf ein totales Missverständnis der eigentli-
chen Frage zurück zu führen sind, das heisst auf eine voll-
ständige Verkennung dessen, was „man“ gemeinhin unter
Anarchismus versteht.

Obwohl der Anarchismus in seinen Betrachtungen über die
verschiedenen gesellschaftlichen Einrichtungen und
Ideenströmungen vom Einzelwesen ausgeht, ist er nichts-
desto weniger eine soziale Theorie, die sich selbständig
aus dem Schosse des Volkes entwickelt hat. Denn der
Mensch ist in erster Linie ein soziales Wesen, in dem
die ganze Gattung schlummert und ununterbrochen am Wer-
ke ist, in dem sie sich stets von neuem bekräftigt und
jede Sekunde ihre Auferstehung feiert. Der Mensch ist
nicht der Erfinder des gesellschaftlichen Zusammenle-
bens, sondern Erbe desselben. Er hatte den sozialen In-
stinkt von seinen tierischen Urahnen bereits empfangen,
als er die Schwelle der Menschwerdung überschritt. Ohne
Gesellschaft ist der Mensch undenkbar. Er hat stets im
Rahmen der Gesellschaft gelebt und gekämpft; das gesell-
schaftliche Zusammenleben ist die Vorbedingung und der
wesentlichste Teil seiner individuellen Existenz, die
Gesellschaft aber ist die Urform aller Organisation. “

hier weiter:

http://archive.org/details/RudolfRockerAnarchismusUndOrganisation“>

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http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/12/rudolf-rocker-anarchismus-und-organisation/feed/
Viva Cuba verdamente libre – Solidarität mit Anarchist*innen in Cuba !!! http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/11/cuba-libre-solidaritaet-mit-anarchistinnen-in-cuba/ http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/11/cuba-libre-solidaritaet-mit-anarchistinnen-in-cuba/#comments Tue, 11 Dec 2012 17:12:23 +0000 Administrator Allgemein http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/11/cuba-libre-solidaritaet-mit-anarchistinnen-in-cuba/

Aufruf der“ Werkstatt Libertario Alfredo Lopez“

In den Medien, die fest in der Hand des Regimes sind, gilt jede libertäre
Perspektive als subversiv. Trotz dieses Umstands und trotz der Repression
in Kuba wagen sich die Anarchist*innen aus dem Untergrund. Ihre Präsenz in
den Straßen und den Stadtvierteln ist heute spürbar.

Die kubanische Revolution erzeugte eine Menge Frustrationen und
Enttäuschungen, speziell in den jungen Generationen. In Kuba gibt es heute
ein starkes Verlangen nach Freiheit, Würde und der Möglichkeit, frei zu
reden und zu handeln.

Es werden neue soziale Netzwerke geknüpft, die die Idee der “Revolution in
der Revolution” unterstützen sowie den Kampf gegen Bürokratie und die
allgemeine Korruption. Die Wiedergeburt der libertären Bewegung in Kuba
und die Existenz eines selbstverwalteten sozialen Forums sind die
Schlüsselelemente, um Bildung und Bewusstsein voranzutreiben.

„http://radiochiflado.blogsport.de/2011/04/17/viva-cuba-verdamente-libre-selbstorganisiertes-sozialforum-in-havanna/„>

Um den libertären Diskurs voranzutreiben und gesellschaftliche Probleme
wie Selbstverwaltung, Föderalismus und Ökologie anzusprechen, brauchen wir
Material, welches auf der Insel schwer zu beschaffen ist. An diesem Punkt
brauchen wir Unterstützung von außen, selbst wenn sie noch gering
erscheinen mag. Hier müssen wir allerdings achtsam sein, da internationale
Unterstützung für oppositionelle Gruppen leicht mit einer
“imperialistischen Finanzierung der Konterrevolution” verwechselt werden
könnte.

Die libertären Genoss*innen freuen sich über jede Form des Supports:
Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, CDs & DVDs zu Themen wie Experimenten
der Selbstverwaltung, grüne Ökonomie und der Entwicklung libertärer Ideen.
All jenes eröffnet den kubanischen Aktivist*innen neue Möglichkeiten, die
lange Zeit ohne freie Informationen auskommen mussten und keine Chance
hatten, eigene freie Analysen zu entwickeln, um den Problemen des 21.
Jahrhunderts entgegenzutreten. Aufgrund ihrer politischen Aktivität kann
es auch sein, dass die Libertären massiver Repression oder Hindernissen
von Seiten staatlicher Behörden ausgesetzt werden. Dann wird
internationale Solidarität erneut wichtig sein.

Wenn ihr Spenden wollt, kontaktiert dafür GALSIC (Groupe d’appui aux
libertaires et aux syndicalistes indépendants de Cuba) unter:
cubalibertaria@gmail.com

Um die Genoss*innen in Havanna finanziell zu unterstützen, könnt ihr auch
einen Dauerauftrag auf folgendes Konto der Internationalen der
Anarchistischen Föderationen einrichten:

Société d’Entraide libertaire (SEL)
c/o CESL, BP 121, 25014 Besançon cedex
IBAN: FR7610278085900002057210175 (im Betreff bitte stets “Cuba” angeben!)

Weiterführende Infos hier: „http://observatoriocriticodesdecuba.wordpress.com/tag/taller-libertario-alfredo-lopez/“>

http://www.ainfos.ca/de/ainfos03129.html“>

Los Aldeanos:Viva Cuba libre verdamente„http://youtu.be/p9z7-mTN-F0″>

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http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/11/cuba-libre-solidaritaet-mit-anarchistinnen-in-cuba/feed/
Die Revolution der freifickenden Ödipusse ! Zum Anarchisten und Analytiker Otto Gross http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/09/die-revolution-der-freifickenden-oedipusse-zum-anarchisten-und-analytiker-otto-gross/ http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/09/die-revolution-der-freifickenden-oedipusse-zum-anarchisten-und-analytiker-otto-gross/#comments Sun, 09 Dec 2012 15:59:51 +0000 Administrator Allgemein http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/09/die-revolution-der-freifickenden-oedipusse-zum-anarchisten-und-analytiker-otto-gross/ Zweiter Teil zu „Lieber Knast als Psychiatrie“?

Ich war dann die meiste Zeit meines Züricher Aufenthalts mit Gross beisammen, und wir vertrugen uns sehr gut. Zwar war’s das erste, dass er mir das Versprechen abpresste, ich müsse für eine Zeitschrift die er gründen wolle, 100 Franken hergeben. Aber allmählich gewann ich ihn lieb und wir wurden wirklich Freunde. – Sofie Benz‘ Tod frisst furchtbar an dem armen Menschen. Er hat alles verloren mit ihr, was ein Mensch überhaupt verlieren kann und oft sah ich ihn in diesen Tagen um die Geliebte weinen. Schrecklich ist auch die Kokainsüchtigkeit bei ihm. Ewig auf dem Sprung zur Apotheke, ewig mit der Schachtel in der Hand und mit dem Kiel in der Nase, die immer verletzt und mit Salbe verschmiert ist. Dabei halluziniert er neuerdings viel, hört Beschimpfungen gegen sich, er sei ein Feigling etc. Ich ging sehr auf seine Art ein und bemühte mich, seine psycho-analytische Methode an ihm selbst unmerklich anzuwenden. Es gelang mir auch allmählich die Selbstvorwürfe, die er sich wegen Sofie macht, zu entkräften.“


Es entspricht dem Charakter von Erich Mühsam, sich sorgenvoll um einen Freund zu kümmern und ihm auch – so scheint es zumindest – voll zu vertrauen. Denn es war der „trauernde“ Otto Gross, der der besagten Ex-Geliebten Sofie eigenhändig das Gift gereicht hatte, so wie er es zuvor mit seiner ehemaligen Geliebten Lotte Chatemmer gemacht hatte(„Er habe der Lotte ein Getränk vorgesetzt, in dem Cocain und Opium aufgelöst gewesen sei und diese Giftmischung selbst sei von Dr. Groß präpariert worden“, Hirte 2002) und bei der von ihm schwangeren Schriftstellerin Regine Ullmann versucht hatte – „freie Liebe“, wie sie von ihm verstanden wurde (“Verdrängung von Sexualität ist die wichtigste Ursache psychischer und sozialer Missstände“), ließ Nähe nicht zu, wurde zu einer Gefahr, der er sich sich möglichst sauber entledigen musste. Und es ist eine(r) verzweifelt ums Herz zu lesen, wie Mühsam fast schon lakonisch über den „Hass und „den Mordplan“ schreibt, den Otto Gross gegen ihn hegte, als er (Mühsam) mit dessen Frau Lotte eine engere Beziehung einging.

Otto Gross hatte Mühsam im Boheme-Milieu von München Schwabing kennen gelernt. 1906 war Gross dort hingezogen. Er, der sich durch die kürzlich bekannte Psychoanalyse eines Sigmund Freud angezogen fühlte, arbeitete als Privatdozent in der von dem schon erwähnten Rassehygieniker Kraepelin geleiteten psychiatrischen Klinik der Münchner Universität.

Emma Goldmann war eine begeisterte Zuhörerin in Freuds Vorlesungen an der Wiener Uni – sah sie doch in der Psychoanalyse die Bestätigung einer notwendigen freieren Sexualmoral.
Ähnlich sah es Otto Gross, der wohl auch ne Zeitlang Freuds Assistent gewesen sein soll – für ihn war der Konflikt zwischen dem eigenem natürlichen Sexualbedürfniss und den gesellschaftlichen Fremdbestimmungen vorherrschend für die individuellen psychischen Probleme, verkörpert im Patriarchat und der Revolutionär von heute müsse mit Hilfe der Psychoanalyse „gegen den Vater und das Vaterrecht kämpfen“ für die kommende Revolution des Matriarchat. Revolution durch einen Haufen freivögelnder Ödipusse!? Anarchismus als Antwort auf „Vaterhass“ und verdrängter Libidobeziehung zur Mutter?

Es soll Menschen geben, die heute noch so etwas vertreten.

Für Otto Gross persönlich war dieser Kampf gegen den Vater ein langwieriger, schwieriger Kampf. Sein Vater war Hans Gross, Professor der Kriminalistik, weltweit anerkannt , übermächtig im Leben von Otto Gross und wohl auch sehr autoritär, dem Otto Gross Zeit seines Lebens auf die verschiedenste Art zu entfliehen (durch frühzeitigen Drogengebrauch) und zu bekämpfen ( durch seine Schriften gegen das Patriarchat) versuchte. Im Gegenzug gelang es Hans Gross ihn 1913 als „gefährlichen Anarchisten“ festnehmen und ne Zeitlang in eine private psychiatrische Anstalt einliefern zu lassen.

Otto Gross ein „gefährlicher Anarchist“? Es gibt dazu keine speziellen Aussagen von Menschen, die es wissen müssten. Klar ist, daß er durch die Kontakte zu Gustav Landauer und vor allem Erich Mühsam mit den Ideen des Anarchismus vertraut wurde und sich dann selber als Anarchist sah.
So wollte er in Ascona eine „Schule für Anarchisten“ gründen, plante die Herausgabe einer Zeitschrift über die „Probleme des Anarchismus“.

Überhaupt Ascona und Monte Verita. In einer Mühle im Wald von Ascona beteiligte er sich an der „Hochschule zur Befreiung der Menschheit“
und hier pries er seinen Ex-Geliebten die „Schönheiten des Freitodes“. Nach dem „Freitod“ von Sofie Benz musste er allerdings Ascona aufgrund der Verfolgung durch die Polizei verlassen.

Für Gross war die Psychoanalyse ein Instrument für den Umsturz der bestehenden Ordnung – „Die Psychologie des Unbewußten ist die Philosophie der Revolution … Sie ist berufen, zur Freiheit innerlich fähig zu machen, berufen als die Vorarbeit der Revolution“. Denn dies sei das Ziel aller Anarchisten: sich von inneren und äusseren Zwängen zu befreien, zur ausschweifenden Anarchie glücklicher Menschen zu kommen.

Das Ziel ist also nicht, sich gegen soziale Ausbeutung und politischer Herrschaft zu stellen, gegen Staat und Kapital, etwas, was in den Bohemezirkeln in München und dem elitären Kreis in Ascona sowieso eher von oben aus betrachtet wurde, sondern in der Befreiung von sexuellen Tabus und der Entdeckung des Individuellen, Eigenen gegenüber dem Anderen, dem Fremdbestimmten.
Es machte in der Konsequenz analytisch also keinen Unterschied zwischen den Menschen. Zwischen den Unterdrückern und ihren Opfern, zwischen den Ausgebeuteten und den Fabrikbesitzern, zwischen denen, die in den Lagern der KZ`s starben und den SS-Kommandos.

Für ihn war – immerhin- die Psychoanalyse im Gegensatz zu seinen Kollegen keine Methode der (Wieder)- Anpassung an das herrschende System, sondern eher eine Befreiung aus eben dieser. Und die sollte durch eine Sexualtherapie erreicht werden – in dem er zu seinen weiblichen Patienten eine sexuelle Beziehung herstellte. Wenn er auch von einer natürlichen „Bi-sexualität“ sprach, und viele Männer (u.a. auch Mühsam) in seinen Sitzungen war, ist von seiner Homosexualität nichts bekannt.

Daß die Frauen diese sexuellen Beziehungen eingingen, lag wohl weniger an seinem Charme – lt. Max Weber war er „brutal und unliebenswürdig“, sondern wohl eher an der Gläubigkeit an diese junge „Wissenschaft“.

Am 13.Februar 1920 stirbt Otto Gross in Berlin, zuvor war er mit Entzugserscheinungen und halb verhungert am Eingang eines Lagerhauses gefunden wurden.

In der Wiederentdeckung von Wilhelm Reich durch die 68Bewegung wird auch Otto Gross wieder gelesen. Es waren vor allem die Männer um die Kommune 1, die die „Befreiung des sexuellen Tabus“, die ausschweifende Anarchie eines Otto Gross für sich proklamierten

Revolutionierung des Alltags, Proklamation des Lustprinzips“ – unvergessen der Ausruf von Dieter Kunzelmann, einem der Macker der „Kommune 1“ „Was kümmert mich der Vietnamkrieg, wenn ich Orgasmusproblem habe.“

In einem „Psych-Sozio-Sprech“ verkauften die Kommunarden nun ihre „Lebensphilosophie“ (heute wohl „Lifestyle“ genannt) als „ehrliche Revolution“, als „befreite Gesellschaft im hier und jetzt“, scheuten aber eigentlich als sozialisierte Kleinbürger den langen und mühseligen Weg sozialer Proteste, „der losgelassene Emanzipationsegoismus will auf die Mühsal und Qual eines politischen Kampfes verzichten aber gleichzeitig das künftige Reich der Freiheit hier und jetzt für sich usurpieren“(Krahl).

Heute beherrschen Sätze wie „ Leben spüren Tag für Tag“ die Bestsellerlisten der Kulturzeitschriften, finden in „Workshops zum Körperausdruck“, bei „richtig atmen“ oder „Grosse Zehmeditation“ die logische Fortsetzung. Die Psychoanalyse eines Otto Gross ist angekommen in der so genannten „Psychokratie“ (Seelenherrschaft, gesellschaftliche Verhältnisse werden einzig und allein durch psychische Kräfte geleitet) bzw. hat den Bereich der bürgerlichen Bewusstseinseinstellung nie verlassen.

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http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/09/die-revolution-der-freifickenden-oedipusse-zum-anarchisten-und-analytiker-otto-gross/feed/
Erklärung von Cruz Negra Anarquista México ! http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/07/erklaerung-von-cruz-negra-anarquista-mexico/ http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/07/erklaerung-von-cruz-negra-anarquista-mexico/#comments Fri, 07 Dec 2012 17:18:25 +0000 Administrator Allgemein http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/07/erklaerung-von-cruz-negra-anarquista-mexico/

In den letzten Tagen, als Folge von Ereignissen die während der Demonstrationen am 1.
Dezember, auf Grund der Vereidigung von Enrique Peña Nieto zum Präsidenten, stattfanden,
setzten Polizist_innen des Bundes wie auch aus Mexiko-Stadt, auf brutale Weise
Repressionen gegen die Demonstrierenden ein.
Funktionär_innen der Regierung von
Mexiko-Stadt, unter denen sich der eigene Chef der Regierung und der Staatsanwalt der
Hauptstadt befinden, haben Erklärungen verfasst, die aussagen, dass anarchistische Gruppen
für die Auseinandersetzungen verantwortlich sind. ---- In Anbetracht dessen möchten wir
folgendes erklären: ---- Das Cruz Negra Anarquista México ist eine libertäre Initiative.
Unsere Aktivitäten richten sich auf das Ausweiten von Solidarität mit Gefangenen, den
Allgemeinen wie auch mit denen, die auf Grund ihrer Ideen, ihrer politischen und
anarchistischen Aktionen in Haft sind.

Wir begleiten sie bei ihren juristischen Prozessen, verbreiten ihre Schriften und
organisieren Veranstaltungen bei denen wir über ihre Situation aufklären. Wir veranstalten
Workshops zum Thema „Anti-Repression“, verbreiten in unseren Vierteln und Gemeinden die
Selbstorganisation, als Wissen über Strategien der legalen Verteidigung mit der Idee, dass
die Repression ein Mechanismus ist, der mit Kapital und Staat verwoben ist.

Sie schrecken
nicht davor zurück, diesen Mechanismus zum Erhalt ihrer dominanten Position und Ausbeutung
einzusetzen, wodurch sie ihr System erhalten. Ebenso verbreiten wir Anti-Gefängnis Ideen
und Gedanken und stoßen die Debatte über den Charakter der sozialen Kontrolle des
Gefängnisses an, sowie dessen Funktion das kapitalistische System zu erhalten.

Als Initiative richten sich unsere Anstrengungen auf diese Aufgaben, die einen
öffentlichen Charakter haben. Alle Aktivitäten die wir organisieren und an denen wir
teilnehmen, werden auf unserer Internetseite und per Mail angekündigt und außerdem
unterzeichnet.

In den Massenkommunikationsmedien wurde erwähnt, dass sich unter den Gefangenen Personen
befinden, die anarchistischen Gruppen angehören. In Anbetracht dessen ist es notwendig
darüber aufzuklären, dass keine_r der Gefangenen dem Cruz Negra Anarquista México
angehört. Trotzdem zeigen wir unsere absolute Solidarität für alle, die gefangen genommen
wurden und wir fordern ihre sofortige Freilassung.

Wir gehen davon aus, dass diese Erklärungen dazu dienen uns als Urheber_innen der
Vorkommnisse während den Demonstrationen darzustellen. Sie sind Teil einer Kampagne der
Diskriminierung und Verfolgung von anarchistischen und libertären Personen und Gruppen.
Marcelo Ebrard zeichnet sich aus durch seine Kriminalisierung von anarchistischen Gruppen
durch seine Position als Sekretär der öffentlichen Sicherheit der Stadt.

Weshalb uns auch
diese Kampagne nicht wundert und wir in diesen Erklärungen eine Vergeltung uns gegenüber
sehen, auf Grund der Arbeit die wir realisiert haben, im wesentlichen der Solidarität mit
den jugendlichen Anarchist_innen, die die Regierung vom Bundesdistrikt in den letzten
Jahren in seine Gefängnisse entführt hat.

Wir haben uns mit ihnen solidarisiert, wie auch mit anderen Fällen von politischen
Gefangenen von nationaler Tragweite, und in diesem Kontext haben wir verschiedene
Veröffentlichungen realisiert, womit wir den innewohnenden repressiven Charakter der
Regierung des Bundesdistrikts sichtlich machen, die ihre eigenen Gesetze nutzen, um
Anklagen in Prozessen zu erheben, die voller Unregelmäßigkeiten sind.

Wir klagen an, dass diese Verfolgungskampagne, die 2003 mit dem Blick auf anarchistische
Gruppen und nach der Demonstration zum Gedenken an den 2. Oktober ihren Anfang fand, sich
im letzten Jahr noch verschärft hat (es reicht anzumerken, dass in den letzten Tagen ein
vermeintlicher Aufruf einer Aktivität in Solidarität mit Gefangenen zirkulierte) und
weiter gehen wird mit der Administration von Miguel Ángel Mancera(Generalstaatsanwalt Mexiko DF, RadChif), der ebensowenig damit
zögerte belastende Erklärungen gegenüber anarchistische Gruppen abzugeben, die in der
Stadt der Hoffnungslosigkeit agieren.

Die Ereignisse des 1. Dezembers sind Produkt der sozialen Unzufriedenheit. Die Vereidigung
von EPN ist lediglich ein Teil und wir kommen nicht drumherum zu erkennen, dass ein
anwachsender Unmut im sozialen Klima existiert, aktuell auf politischer und ökonomischer
Ebene, auf der die Konzentrierung von Macht bei einer kleinen Gruppe von Personen und
Unternehmen weitreichende Konsequenzen für die immense Mehrheit der Bevölkerung mit sich
bringt. Die lokale und die Bundespolizei zeigte sich mit gewohnter Brutalität gegen die
Demonstrierenden; gegen alle, die ihren Weg kreuzten und sie nahmen willkürliche und
beliebige Festnahmen vor.

Dieses zusammen gesehen mit der Nachricht über die verwundeten
Compañeros bei San Lázaro, wächst die Wut der Demonstrierenden immer mehr. Für uns
entspringt die Gewalt aus dem politischen System und Staat, die versuchen uns mit ihren
Instrumenten der sozialen Kontrolle zu unterwerfen, wie auch aus dem ökonomischen System,
das uns die Fähigkeit raubt ein würdevolles Leben zu führen und uns durch die Aneignung
unserer Arbeit ausbeutet. Dies ist die hervorgerufene Gewalt und dieser gegenüber ist es
immer legitim uns zu organisieren.

Die wahren Terrorist_innen sind die, die mit ihrer
komplizenhaften Aktion oder ihrem Schweigen, dieses Land in einen sinnlosen Krieg
geschickt haben. Sie füllen die Städte mit Angst und Tod, verfolgen und kriminalisieren
die Armut und töten die, die sich organisieren und die Stirn bieten.

Mit diesem Kommuniqué zeigen wir die anwachsende Kampagne der Kriminalisierung von
sozialen Protesten auf und speziell gegen anarchistische Gruppen und Individuen. Wir
machen dafür die Regierung des Bundesdistrikts verantwortlich. Wir verlangen die sofortige
Freilassung von Allen und jeder_m Einzelnen der inhaftierten Personen.

Nieder mit den Gefängnismauern! Freiheit für Alle!

Cruz Negra Anarquista México

http://abajolosmuros.jimdo.com/“>

(Übersetzung übernommen von: A-infos „http://www.ainfos.ca/ainfos27272.html“>

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http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/07/erklaerung-von-cruz-negra-anarquista-mexico/feed/
Regiert werden ….. http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/07/regiert-werden/ http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/07/regiert-werden/#comments Fri, 07 Dec 2012 10:23:52 +0000 Administrator Allgemein http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/07/regiert-werden/ so unverständlich erscheint es uns, wenn in dem obigen Plakat keine weiblichen Figuren zu sehen sind) ]]>

( Auch von uns eine Anmerkung: So sinnvoll es ist, auf z.B. das frauenverachtende Verhalten von hier: Proudhon hinzuweisen (s.dazu auch die Entgegnung von Joseph Déjacque (http://radiochiflado.blogsport.de/2012/02/12/joseph-dejacue-nieder-mit-den-bossen-1859/“),>

so unverständlich erscheint es uns, wenn in dem obigen Plakat keine weiblichen Figuren zu sehen sind)

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http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/07/regiert-werden/feed/
Für die Zerstörung aller Gefängnisse !! http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/06/fuer-die-zerstoerung-alle-gefaengnisse/ http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/06/fuer-die-zerstoerung-alle-gefaengnisse/#comments Thu, 06 Dec 2012 19:10:58 +0000 Administrator Allgemein http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/06/fuer-die-zerstoerung-alle-gefaengnisse/

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http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/06/fuer-die-zerstoerung-alle-gefaengnisse/feed/
Lieber Knast als Psychiatrie !? http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/03/lieber-knast-als-psychiatrie/ http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/03/lieber-knast-als-psychiatrie/#comments Mon, 03 Dec 2012 12:01:19 +0000 Administrator Allgemein http://RadioChiflado.blogsport.de/2012/12/03/lieber-knast-als-psychiatrie/

In den Abhandlungen, den Aufrufen, den Ideen für eine „Gesellschaft ohne Knäste“ wird die Psychiatrie immer neben dem Knast als “ letzte Station einer Kette sozialer Kontrolle“ genannt als “ härteste Unterdrückungsform des Staates und die letzte Drohung der Verhaltensnormierung“ . Aber im Gegensatz zum Gefängnis finden z.B. keine Kundgebungen vor psychiatrischen Anstalten statt (von eher rechtspopulistisch propagierten „Bürger*innenwehren“ abgesehen), ja selbst der unmittelbare Zusammenhang zwischen Knast und Psychiatrie durch den „Massregelvollzug“(Forensische Psychiatrie) wird – bis auf wenige Ausnahmen bei Thomas Meyer-Falk und dem „Autonomen Knastprojekt“ in Köln – nicht thematisiert.

Zeit für uns, in einer kleinen Folge von Artikeln darauf etwas näher einzugehen. Beginnen wollen wir mit der Entwicklung und Bedeutung der Psychiatrie an sich, es wird ein Porträt über den Anarchisten und Psychiater Otto Groß folgen, um – so es ist geplant – anschliessend über Ideen, Konzepte und Sichtweisen von Anarchist*innen zum Thema uns zu äussern

Selbstverständlich sind wir dabei subjektiv. Selbstbestimmt können wir dadurch unsere eigene Handlungsfähigkeit erhalten bzw. wiedererlangen.(Den Vertreter*innen der gegenwärtigen Ordnung, die bei solchen Themen bei uns darauf pochen, „objektiv“ zu sein, halten diesen Anspruch bei sich allerdings selten ein. Müssten sie doch dann bei entsprechender „Objektivität“ sich selber einsperren)

Im 18.Jahrhundert wurde der Begriff „Psychiatrie“ geprägt. Im stetigen Bemühen, als „Wissenschaft“ anerkannt zu werden, stellte der der „völkischen Bewegung“ (deutschnational, antisemitisch) und der Rassenhygiene nahe stehende Emil Kraepelin 1899 ein so genanntes nosologisches Bezugssystem her, also eine Klassifikation der als „Krankheiten“ gesehenen nicht normalen Verhaltensweisen.
Sechs Jahre später brachte die „Psychoanalyse“ die ersehnte Klassenpsychiatrie. Die Privilegierten entdeckten die „Therapie“ für sich. Die „von unten“ blieben oder kamen weiterhin in die Irrenhäuser.

Das „triadische System“(organisch, endogen, exogen) entwickelte die Festlegung von Kraepelin weiter.

Seit 1992 ist es nun weltweit – also unabhängig der sozialen und kulturellen Herkunft des einzelnen Menschen – das ICD 10, die zehnte Revision der „Internationale Klassifikation der Krankheiten“, wo in Kapitel 5 die so genannten psychischen und Verhaltens-Störungen benannt werden.

Nach diesem Katalog erstellen die Vertreter*innen der Psychiatrie ihre Diagnose – ein höchst kreativer Akt, kunstvoll ausgeführt – denn wo vorher ein Mensch war, mit all den eigenen Gefühlen und Werthaltungen und den daraus entstehenden Reaktionen muss nun eine „paranoide Schizophrenie“ oder eine „Störung mit oppositionellem Trotzverhalten“ konstruiert werden.

„Ihr dürft alles tun, was wir euch sagen, doch ihr sollt nicht sagen, was wir euch tun“ (Liselotte Rauner)

(WALZERMUSIK): Der aufkommende Kapitalismus entdeckte sehr schnell die Bedeutung der Psychiatrie. In dieser Gesellschaftsordnung, in der die Menschen in einem Grundverhältnis zueinander gestellt werden, das von Herrschaft, Entfremdung, Konkurrenz und dem Aspekt der Leistung bestimmt wird, wurde die Psychiatrie der willkommene Spitzel. Als Agentur der Sozialisation sorgte diese nun durch die Parteinahme für die von ihnen festgelegte „Gesundheit“ für die Interessen des wachsenden Kapitals. Die Arbeits-und Ausbeutungsfähigkeit wird zum Indikator dieser „Gesundheit“. Die Vernichtung des sich dagegen auflehnenden Unbewussten das Geschäft der Psychiatrie.

Im Laufe der Entwicklung zeigten die damals noch vorherrschend männlichen Vertreter wiederholt ihren „mordsmäßigen“ Humor.
Sollten sie später Gegner*innen und Kritiker*innen vorwerfen, diese würden die Psychiatrisierten für „Ideologien missbrauchen“, waren sie selber eifrige Helfer im Nationalsozialismus und willige Diener anderer Diktaturen.

Zwischen 1933 und 1945 geschieht nichts, was nicht Psychiater lange vor den Nazis gefordert hatten.

Hermann Simon, Anstaltsleiter in Gütersloh, definiert 1931 den Personenkreis angeblich Minderwertiger: Körperschwache, Kränkliche, Schwächlinge, Schwachsinnige, Krüppel, Geisteskranke. Er kommt zu dem Schluss: „Es wird wieder gestorben werden müssen.“

Ernst Rüdin 1934: „Der Psychiater muss sich mit den Gesunden gegen Erbkranke verbünden … Dem hohen Zuchtziel einer erbgesunden, begabten, hochwertigen Rasse muss der Psychiater dienstbar sein.“ Rüdin, der die Zwangssterilisierung als „die humanste Tat der Menschheit“ bezeichnete, 1934 über Hitler: „Die Bedeutung der Rassenhygiene ist in Deutschland erst durch das politische Werk Adolf Hitlers allen aufgeweckten Deutschen offenbar geworden, und erst durch ihn wurde endlich unser mehr als dreißigjähriger Traum zur Wirklichkeit, Rassenhygiene in die Tat umsetzen zu können.“

Die deutsche Psychiatrie wurde von den Nazis nicht missbraucht, sie brauchte die Nazis. (Ernst Klee).

ENDE DER WALZERMUSIK

„Ihr dürft alles ändern, was wir wünschen. Aber ihr dürft nicht wünschen, dass wir uns ändern“

In den 60erJahren traten Psychiater wie Laing oder David Cooper in eine begierige Öffentlichkeit und brachten neue Inhalte in eine Psychiatriekritik, die nunmehr unter dem Titel „Anti-Psychiatrie“ eine noch andauernde Entwicklung nahm, wenn auch die von ihnen vertretenen Inhalte weiterhin elitär und patriarchalisch blieben, fühlten sich dennoch Studierende aus der 68Zeit berufen, diesen Weg weiterzugehen.
Viele nutzten die Erfahrung der „ demokratischen Psychiatrie“ in Italien, um durch ein flächendeckendes Netz von Sozial-und Gemeindepsychiatrie zu einem kompletten System gut bezahlter Arbeitsplätze und zu einer Teilhabe an der entsprechenden Machtausübung zu kommen.

Die Psychiatrisierten waren nun umzingelt – es gab kaum noch ein Entkommen.
Die neuen Vertreter*innen erweiterten die Psychiatrie auf die Gesellschaft, was zu ihrer Vorsorge dienen sollte, entpuppte sich für die Psychiatrisierten als ein Hort der Überwachung, der Entrechtung und der Bevormundung.

„Haben wir vielleicht ein Problem?“

Das neue Zauberwort hieß: Neuroleptika!

Außerdem erkenne ich an, dass die Psychiatrie auch Leben rettet, und nehme Medikamente, weil sie mein Leben erleichtern, denn psychische Not kann totale Erschöpfung und ggf. den Tod bedeuten.“ (Aussage einer Psychiatriebetroffenen)

Da die jeweiligen Medikamente, die gerne auch in Armee, Anstalten und Gefängnissen getestet werden, zum einen wohl beruhigend wirken, aber auch einen Haufen von Nebenwirkungen erzeugen und dies schon bei geringen Dosierungen, werden die dem Bild einer Psychiatrisierten nun langsam entsprechenden mit weiteren Medikamenten bekämpft.

Am Ende ist das Kunstwerk fertig.

Stumpf und gelähmt, sich nicht mehr bewegen oder gar denken könnend, oder von Unruhe getrieben oder Ängsten gejagt, jede Weigerung wird als indirekte Zustimmung für weitere Behandlung, jede nicht einkalkulierte Reaktion als Beweis für den Sinn der Behandlung gesehen.
Die so Psychiatrisierten – willen-und rechtlos – erscheinen total ausgeliefert. Statt also bei der Lösung des jeweiligen Konfliktes stützend zu helfen, werden die Probleme erst einmal geschaffen, um sie nachher als Rechtfertigung der psychiatrischen Methoden der Öffentlichkeit zu erklären.

Versuche, aus einem scheinbar sinnlosen, individuellen Widerstand zu einer organisierten Aktion zu kommen, probierten Gruppen wie die „Irrenoffensive“ oder die „Sozialistische Selbsthilfe Köln“, die mit verschiedenen Konzepten dem ganzen Wahnsinn ein Ende machen wollten.

In den 70er Jahren kommen immer mehr Menschen zum SSK, die aus den sogenannten Landeskrankenhäusern, den psychiatrischen Verwahranstalten geflohen sind. Sie berichten von ungeheuerlichen Zuständen hinter den Mauern, von Misshandlungen und Todesfällen. 1977 gründet der SSK das ‚Beschwerdezentrum – Initiative gegen Verbrechen in Landeskrankenhäusern‘. Aus den Anstalten fliehen Menschen zum SSK, finden neue Lebensmöglichkeiten und werden zu VorkämpferInnen gegen die Psychiatrie. ‚Freiheit heilt‘ Im SSK ist dies tägliche Praxis – in der Freiheit und dem Schutz der Gruppe machen viele ‚Verrückte‘ Entwicklungsschritte, die manchen ‚Experten‘ beeindrucken. Wie kann es möglich sein, dass Menschen, die für verrückt und lebensunfähig erklärt wurden, die völlig eingeschüchtert und vollgedröhnt mit Medikamenten beim SSK ankommen, schon nach kürzester Zeit mit dem Megafon vor einem LKH (Landeskrankenhaus) stehen und Reden gegen ihre ehemaligen Unterdrücker halten?
Die ersten großen Psychiatrie-Skandale deckt der SSK in Brauweiler, Düren und Bonn auf. Die Zustände im LKH Brauweiler, sind so katastrophal, dass die ganze Klinik geschlossen wird. Der SSK bringt weitere Todesfälle in den LKHs Düren und Bonn an die Öffentlichkeit, mit Anzeigen, Demonstrationen und Stationsbesetzungen. Klinikleitungen fliegen aus ihren Sesseln, einzelne Abteilungen werden geschlossen.“
(Aus: Kleine unvollständige Geschichte des SSK)

Besondere Aufmerksamkeit galt dem „Sozialistischen Patientenkollektiv“, das aus der Krankheit „eine Waffe machen wollte“ und jede therapeutische Tat ablehnte, wenn sie sich nicht als klare, eindeutige revolutionäre Aktion zeigt.

Statt also nur die Psychiatrie abzuschaffen, wie es in vielen von der Psychiatriebetroffenen Gruppen gefordert wird, forderte das SPK als Patient*innenfront die Abschaffung bzw. die „Gesundung“ der gesamten krankmachenden Gesellschaft.

Diese Gesellschaft reagierte dementsprechend. Das SPK wurde kriminalisiert und als Vorwand ihrer Zerschlagung in die Nähe der „RAF“ gerückt.

„Ihr dürft überall gehen, wohin wir wollen. Aber ihr dürft nicht wollen, das wir gehen“

Aus einigen der oben genannten Gruppen und Selbsthilfeorganisationen wurde im geruhsamen Berlin-Frohnau das erste „Weglaufhaus“ eingerichtet.=„http://www.weglaufhaus.de/weglaufhaus/podcast-2/“>

Gläubig wie die Massen/ wird er Kriegsfreiwilliger/ der Krieg macht ihn zum Pazifisten/ als Streikführer wird er verhaftet/ Landesverrat Militärgefängnis/ die Mutter glaubt er sei krank/ ein Mensch aus bürgerlicher Familie/ wendet sich Arbeitern zu/ das bringt in 4 Tage ins Irrenhaus/wo er lernt:
die Harmlosen heissen Irre/und die Gefährlichen dürfen/ die Harmlosen einsperre
n (Ernst Toller)

Für die Psychiatrie war und ist heute noch verstärkt die Kriminalpsychiatrie (forensische Psychiatrie) eine willkommene Gelegenheit, ihre praktische Anwendung zu perfektionieren – wobei sie „ein repressives Strafrecht stützt und legitimiert“(Tilmann Moser)

Die Psychiatrie – der „V-Mann“ der Strafjustiz.

Die Psychiatrie abzulehnen und dafür einzutreten, sie abzuschaffen, allen Menschen das Recht zu geben und zu erhalten, für sich selbst zu verfügen und so zu leben, wie sie es wollen, erscheint als Ergebnis fast schon selbstverständlich. Aber die Ursachen verschwinden dadurch nicht – ein Kampf gegen die Zwangspsychiatrie darf nicht zufrieden stellen, wenn die Zusammenhänge, in denen die meisten zurückkehren müssen, weiterhin unangetastet bleiben. Mitarbeit in den entsprechenden Menschenrechtsgruppen kann nur einhergehen mit Kämpfen der Selbstorganisation und der Selbstbestimmung –

Die Psychiatrie ist in allen Teilen der Gesellschaft präsent als Teil einer politischen und wirtschaftlichen Situation, die die Belastungsfähigkeit der einzelnen Stärken und die Frustationstoleranz heraufsetzen soll. Als Produkt von Anordnungen und Maßnahmen, konditioniert zum ausbeutungswilligen Geschöpf, dessen Freiheit in der Wahl der jeweiligen Unterdrückung besteht.

Von daher kann der Widerstand der Psychiatrisierten nur zusammen gehen mit dem Widerstand anderer Unterdrückten im gemeinsamen Erkämpfen von alternativen Räumen und dem (wieder) Entwickeln neuer Organisationsformen.

Gegenseitige Unterstützung und Hilfe, selbst bestimmte Organisierung und Zusammenarbeit kann dem ganzen Wahnsinn vielleicht noch kein Ende machen, aber notwendig sind auf Dauer keine Schutzräume, sondern immer größer werdende freie Räume.

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