Gut organisiert – Nazis im Knast !!!

Nazis im Knast – ist für die meisten, auch in linken Zusammenhängen – eine beruhigende Vorstellung so wie es dazu Aufrufe gibt, dass die Polizei da doch härter durchgreifen oder die Justiz endlich mal was „richtiges“ tun soll – da werden die radikalsten Staatskritiker plötzlich zu deren glühendsten Anhänger*innen, das einer ganz schwindlig wird bei soviel Selbstaufgabe – und die, denen wir uns eigentlich näher fühlen, die, die bei Nazis eher die direkte Aktion suchen als die fünfunddreißigste Lichterkette zu organisieren, schweigen zu diesem Thema oder nehmen erst gar nicht an den entsprechenden Auseinandersetzungen teil – das kann zum Teil darin liegen, dass sie sich eigentlich über das, was in den Knästen an Auseinandersetzungen und Kämpfen passieren, kaum oder gar nicht interessieren oder wirken hilflos, wenn es dann mal nicht der 7 oder 8 Hungerstreik eines ihnen bekannten revolutionären Gefangenen ist.

Wir, die wir für eine „Gesellschaft ohne Knäste“ eintreten, wünschen uns keine Sonderstellung für die Nazis – soll heißen, wir lehnen Hochsicherheitstrakt und Iso für die Nazis ab, so wie wir generell gegen Hochsichertrakts und Isozellen sind – die Nazis gehören dann eher in den Normalvollzug, wo sie sich täglich migrantischen und revolutionären Gefangenen gegenübergestellt sehen müssen

Der üble Geschmack beim Gedröhne des Innenministeriums

Anders als bei den meisten (auch in linken Zusammenhängen), die alles vermeiden, um in den Knast zu kommen, ist das Gefängnis für die Nazis oft so etwas wie eine „Auszeichnung“ – und sie finden darin ihre treuen Unterstützer*innen draußen. Auch wenn die bekannteste Gefangenenhilfsorganisation – die „ Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und
deren Angehörige“(HNG)– inzwischen in populistischer Art und Weise vom deutschen Innenministerium offiziell verboten wurde, sind die Strukturen schon lange vorhanden und weiterhin aktiv – einige Beispiele wollen wir im nachfolgenden benennen.

Das ist z.B. die „Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte“, ursprünglich für inhaftierte Kriegsverbrecher gegründet und weiterhin aktiv. Das ist der „JVA Report“, eine Art rechtsradikaler Knastzeitschrift, die auf ihrer Webseite ihnen ideologisch verwandte Gruppen und Organisationen vernetzt. Dabei auch der „Freundeskreis Brandenburg“, die regelmäßig Demonstrationen und Mahnwachen nicht nur für ihren prominentesten Gefangenen – Horst Mahler - organisieren, das „Widerstandsinfo“ mit vielen Infos zum Alltag im Knast selber.
Viele interne Äußerungen lassen darauf schließen, dass ihnen die HNG bekannt ist, sie aber davon keinen Gebrauch gemacht haben, sondern auf die jeweiligen regionalen Strukturen bauen.

All dies ist bekannt --- ja von einem Teil der o.a. genannten Gruppierungen auch für jede öffentlich nachlesbar. Auch für das Innenministerium. So mutet dann das mit Getöse durchgeführte Verbot der HNG eher wie ein ziemlich schlechter Scherz an – leeres Gedröhn.

Marsch hinter Gefängnismauern

In den letzten zwei Jahrzehnten wurden wohl 160 Menschen von Rechtsradikalen und Rassist*innen ermordet. Die, die dafür in die Knäste kommen, sind Ansprechpartner für viele, die wegen § 86 a einige Zeit inhaftiert werden. Hakenkreuze hinmalen, das Verwenden von verfassungswidrigen Symbolen --- für sie „ehrenvolle“ Handlungen, für eine „gerechte Sache“. So fühlen sie sich und so treten sie dann auch in den Knästen auf.

Machen sie zum einen was andere Gruppen im Knast auch machen, Körpertraining, Lesen entsprechender Literatur , Verstärken der Gruppenzugehörigkeit usw. so sind sie doch im täglichen Knastalltag als Gruppe nach außen anders als der größte Teil der Gefangenen.. Wenn es andere, starke Gruppen gibt, verhalten sie sich in der Regel ihnen gegenüber neutral, beteiligen sich nicht an den Kämpfen im Knast und sind bei größeren Revolten oft auf der Seite des Wachpersonals zu finden. Ihr ähnliches autoritäres Weltbild macht der Knastverwaltung nämlich keine Probleme, die Nazis sind unkompliziert, pflegeleicht und übernehmen oft „Hilfsaufgaben“, die für weitere Ruhe und Ordnung sorgen. In manchen Knästen, wo es keine starken anderen Knastgruppen gibt, dominieren sie das Geschehen, rekrutieren und bestimmen. Sie können vor allem da in Ruhe ihren Betätigungen als „nationale Gefangenen“ nachgehen in einem Netz von organisierter Hilfe draußen und direkter Unterstützung von Teilen des Personals.

Und sind von daher nicht das Problem, sondern ein Teil des Ganzen.

„Wir sind für euch drinnen, ihr seid für uns draussen“ – wirklich?

Wenn wir klar haben, dass der Knast ein Bestandteil dieser Gesellschaft ist, und sich das Herrschaftssystem draußen im System drinnen wieder findet, können wir dementsprechend den Alltag im Knast in den verschiedenen Beziehungen als krasse Miniaturausgabe der selben sozialen Beziehungen wie außerhalb der Gitter sehen.
Die alte Ethik des Gefängnisses – falls sie jemals wirklich bestanden hat – die Gefangenen gegen die Wärter, Kooperationen innerhalb der entsprechenden Gruppen etc. – sie existiert nicht. Ein Dickicht von Allianzen und Zweckbeziehungen reproduziert als die Warenbeziehungen des bestehenden Systems, Normalität der Herrschaft sind die alltäglichen Dinge, die sich im Knast nur verdichten und uns das Atmen noch schwerer machen.
Dies heißt , unsere Kämpfe für ein selbstbestimmtes Leben ohne Herrschaft, die uns unterdrückt, der Geruch von Freiheit, der aus den noch nicht fremdbesetzten Teilen unseres Körpers Energien gibt, müssen gegen alle Mechanismen und Strukturen gerichtet werden, die das System der Herrschaft, des Eingeschlossenseins aufrechterhalten – getragen von Beziehungen, die die Emanzipation der einzelnen zum Inhalt hat und die totale Zerstörung des verfuckten Systems der Autorität, der Spaltungen. Der Kampf gegen dieses System erfordert drinnen Kompliz*innen – mit Nazis aber kann es diese Verbundenheit aus all den oben genannten Gründen nicht geben,– so wie sie draußen mit verschiedensten direkten Aktionen als Teil der öffentlichen gewalttätigen „Ordnung“ bekämpft werden, so gilt es auch und noch viel mehr in einem Käfig der totalen Domestizierung von Körper und Geist – aber dazu bedarf es auch der praktischen Solidarität von außen – bedarf es des Mutmachens, Unterstützens, auch in Form von öffentlichen Aktionen.
Es kann nicht angehen, dass durch die Tatsache, dass auch Nazis in den Gefängnissen sind, Antiknastaktionen „draußen“ unterbleiben, Forderungen für die „Sprengungen der Gefängnismauern“ und eine „Gesellschaft ohne Knäste“ plötzlich hinterfragt werden und der Mief der Trennungen uns die Zellenkäfige vernebelt.

„Wir sind für euch drinnen – wir sind für euch draußen“ bedeutet den Kampf gemeinsam gegen das System der verschiedenen Einschliessungsformen und den falschen Trennungen weiterzuführen --- gegen das was die Herrschaft und die bestehenden Ordnungen stärkt und verfestigt und für das was durch den Drang und die Liebe zur Freiheit dem entgegengesetzt werden kann. Gegen alle Kaefige der herrschenden Ordnung ! Gegen die Knaeste in unseren Koepfen !!!

Olga WichmannKomitee zur Zerstoerung aller Gefaengnisse

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