Polizei und Medien kennen keine Faschisten !

Am 7.Januar gab es bei einem Hallenturnier in Hamburg einen massiven Polizeieinsatz, nachdem es von Seiten Lübecker und HSV Fans Angriffe auf die Fangruppen des FC St.Pauli gegeben hatte.
Die meisten der Lübecker trugen schwarze Shirts mit einem Aufdruck „Krawallbande“, „Krawallbrüder“ o.ä.. Es kam zu Schmährufen wie „Schwule, Schwule“, „Judenkinder“, „Zick Zack Zigeunerpack“ und Ähnliches. Ein Vorgehen seitens des Veranstalters oder der Polizei gegen diese Sprüche war nicht erkennbar.

Als die Lübecker Fans die Plätze von St.Pauli „stürmten“ und diese sich wehrten, schlug die Polizei auf alles ein, was sich in der Nähe befand, versprühte Pfefferspray und verhinderte den Abtransport von Verletzten. In den bürgerlichen Medien – Fernsehen sowie Presse – wurde ein Riesenszenario wegen „gewaltiger Ausschreitungen von Fussballchaoten aufgebaut, denen friedliche Fans und ihre – klar – Kinder zu Opfer gefallen seien und verstärkt -natürlich- Gewaltmassnahmen gefordert.
Im folgenden eine Stellungnahme des „Bündnisses Aktiver Fussballfans“, die wir auch aufgrund eigener Erfahrungen in ganzer Länge abdrucken.

Stellungnahme zum Hamburger Hallenfußballturnier am 7. Januar 2012

Donnerstag, den 12. Januar 2012 um 11:16 Uhr – Aktualisiert Donnerstag, den 12. Januar 2012 um 12:04 Uhr

Das Bündnis Aktiver Fußballfans verurteilt den erneuten Einsatz von Pfefferspray in einer
Menschenansammlung und kritisiert die Form der Berichterstattung zum Abbruch des
Hamburger Hallenfußballturniers.

Bis auf wenige Ausnahmen wurden in den Medien statt selbst recherchierter Erkenntnisse
lediglich Informationen der Polizei abgedruckt und nicht entsprechend gekennzeichnet oder der
Text von Presseagenturen übernommen.
Der durch die Verbindung von Halbwahrheiten mit
Zahlen aus dem Polizeibericht entstandene Eindruck weicht deutlich von den Schilderungen der
Betroffenen und Augenzeug_innen ab.

Weder die Rolle der Polizei noch eine Verantwortung des Veranstalters werden thematisiert und
teilweise werden Abläufe nicht korrekt wiedergegeben.

Statt den Angriff der Vfb Lübeck- und HSV-Fans als solchen zu benennen, ist die Rede von
einer zwischen allen drei Fanszenen verabredeten Auseinandersetzung im Hooligan-Style und
ein politischer Hintergrund des Konflikts wird ebenso wie die diskriminierenden und
judenfeindlichen Rufe der „Gäste“ komplett ausgeblendet. Auf die offizielle Stellungnahme des
FC Sankt Pauli schließlich reagieren Teile der Presse mit Skepsis und einer Interpretation von
einseitiger Schuldzuweisung.

Abgesehen davon, dass hier weder Boulevardmedien noch vermeintlich seriöse Zeitungen
ihrem Auftrag nachgekommen sind, führt eine derartige Berichterstattung zu weiterem
Misstrauen gegenüber der Presse.

Für besonders perfide erachten wir in diesem Zusammenhang – und dies nicht zuletzt unter den
Eindrücken um die sog. Zwickauer Neonazi-Zelle und vor dem Hintergrund der Forderung
couragierten Auftretens gegen Rechtsextremismus-, dass einzelne Medien die Aussage des
Organisationsleiters und Sicherheitschefs vom FC Sankt Pauli, Nazis sollten im Sankt
Pauli-Block durchaus auch „das Gefühl haben“, „gesundheitlichen Schaden“ zu nehmen, als
allgemeine Legitimierung von Gewalt deuten.

Nachdem es im letzten Jahr bei Fußballspielen mehrfach zu Verletzungen durch den Einsatz
von Pfefferspray in Menschenmengen kam – exemplarisch seien hier die Begegnungen
Rot-Weiß Erfurt / Darmstadt 98, Hannover 96 / FC Bayern München und SGE Frankfurt /
Karlsruher SC genannt –, stellen die Vorgänge in der Alsterdorfer Sporthalle einen neuen
Negativrekord dar.

Vorgeblich als Distanzmittel zur Abwehr von „Störern“ und als Mittelweg zwischen körperlicher
Abwehr durch Schlagstockeinsatz und Schusswaffengebrauch gedacht, wurde am Freitag in
Hamburg Pfefferspray häufig präventiv und in Verbindung mit Schlagstöcken auch gegen
vermeintlich nicht angreifende Menschen eingesetzt.

Fehlende Zielgenauigkeit führte dazu,
dass neben den angeblich abzuwehrenden Gewalttäter_innen auch Kinder, ältere Menschen
und die Beschäftigten an den Verkaufsständen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Sowohl in
der Halle als auch bei den Toiletten wurde Pfefferspray eingesetzt, das bis in den Umlauf zog.
Beim Abtransport der FCSP-Fans wurde in einen voll besetzten S-Bahn-Wagen ebenfalls
Pfefferspray gesprüht.

Mag es vom Standpunkt der Polizei aus noch nachvollziehbar sein, dass „gewalttätige“
Fußballfans durch solche Einsätze gesundheitlichen Schaden erleiden können, zeugt die
Aussage Rüdiger Reedwischs von der Deutschen Polizeigewerkschaft zu den gesundheitlichen
Risiken für Kranke von menschenverachtendem Zynismus: „ Wir können nicht jeden fragen, ob
er irgendwelche Medikamente nimmt. Wer sich ordnungsgemäß verhält, kriegt kein
Pfefferspray ab.“ (Neues Deutschland vom 9.11.2011)

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum bereits vor Beginn des Turniers eine derart
hohe Anzahl an Krankenwagen vor der Halle stand.

Bedauerlicherweise führte die Expertenanhörung des Innenausschusses zum Einsatz von
Pfefferspray im November letzten Jahres zu keinem positiven Ergebnis, so dass von weiteren
willkürlichen Einsätzen auszugehen ist, bei denen lebensgefährliche Verletzungen von der
Polizei in Kauf genommen werden.

„http://aktive-fans.de/“>

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