nunca olvidar, nunca perdonar – nie vergessen, nie vergeben! Iquique 1907-

Das Massaker in Iquique(Chile) vom 21. Dezember 1907

Wir Anarchisten und Anarchistinnen haben eine lange Reihe von Kämpfen hinter uns, holen uns unsere Energie auch aus diesen Wurzeln, entdecken diese täglich neu, durch unsere Geschichte dieses Kampfes der nun schon über hundert Jahre geht, in jeweils bestimmten geografischen Gebieten zwar aber überall in einem gemeinsam: die Liebe zur Freiheit und der Hass auf Herrschaft jeder Art. Dies entwickelt eine Kraft, die tiefer geht als jeder Versuch einer Repression und daraus entsteht auch so etwas wie eine Identität, die sich nicht auf einen Weg des Kampfes begrenzen vermag noch sich in Zeiten oder Grenzen erschöpft.


Der Beginn der Industrialisierung in Chile (1890-1910) sah einen enormen Zuwachs der arbeitenden Bevölkerung.
Während die Löhne stiegen, wuchs die Inflation parallel dazu, was wiederum zu einem Rückgang der realen Löhne und zur steigenden Verarmung führte. Die Arbeiter*innen verbrauchten fast 97 % ihres Einkommens für Grundbedürfnisse.
Die sich entwickelnde Gesellschaft setzte auf das Konzept des Bürgers – das freie Individuum, frei in der Maximierung seiner Vorteile, mit der Gewähr für Leben, Eigentum und Sicherheit --- erwirtschaftet von Arbeiter*innen, die in steigender Armut, Slums, hoher Sterblichkeit als „menschliches Vieh“ gesehen wurde – falls diese begänne, irgendwelche Rechte einzufordern, sie mit Gewehren zur Räson gebracht werden müssen.

Gleich zu Beginn wurden dann auch mal so eben 100 Nitratarbeiter erschossen, deren unverzeihliches Verbrechen darin bestand „zu streiken.“ Beim Protest der Hafenarbeiter 1903 mindestens 30. Während der so genannten „semana roja“ im Oktober 1905, ein größerer Protest gegen die Inflation durch das Niederknallen von 200 Protestierenden zum Schweigen gebracht.

Diese Proteste und Streiks wurden mehr und mehr von anarchistisch orientierten jungen Arbeitern organisiert, die durch einen Besuch von Pietro Gori 1901 weiteren Zulauf hatten. Ein Jahr zuvor war die Zeitschrift „El Acrata“ erschienen. Am stärksten organisiert waren die Anarchisten im Druck-und Schuhgewerbe, militant die Hafenarbeiter von Valparaiso. Auch in den Bergwerken gab es anarchistische Treffen.

Der Generalstreik wurde langsam zu einer von den meisten akzeptierten Waffe der Arbeiter. 1907 gingen über 30 000 von ihnen mit ihren Familien durch die Strassen von Santiago.


Am 21.Dezember 1907 geschah dann einer der tragischen Momente in der Geschichte der Arbeiter*innenbewegung in Chile. Im Norden, in der Hafenstadt Iquique, streikten die Nitratbergwerkarbeiter für grundlegende Verbesserungen ihrer Lebens-und Arbeitssituation.

(Streikende auf dem Weg zur Schule )

Die Bergwerkslager waren von den Chefs auschliesslich zum Zweck der Produktion eingerichtet. Sie bauten die kleinen Unterkünfte, besorgten die einzelnen Läden, bezahlten die Arbeiter mit Gutscheinen, einlösbar allein in den besagten Läden und kontrollierten streng das alltägliche Leben in den Lagern.

Schnell erfasste die Streikbewegung andere Arbeiter aus anderen Städten. Ein Streikkomitee wurde gegründet – mit dabei die Anarchisten Joseph Briggs und Luis Olea. Die Zentrale befand sich in der Schule Santa Maria.
Insgesamt gab es ungefähr 4500 in der Schule und weitere 1500 auf den Plätzen drum herum.

Die Chefs, englische und deutsche Firmen, wandten sich an den damaligen Präsidenten von Chile, Pedro Montt Montt. Dieser erklärte daraufhin das Kriegsrecht und ließ die Armee aufmarschieren.
Die Lager wurden geschlossen und am 21. Dezember 1907 begann das Abschlachten.

Die ersten, die erschossen wurden, waren die vom Streikkomitee. Luis Olea – wie alle anderen unbewaffnet – von dem Offizier Roberto Silva Renard erschossen (Beiname: „Der Schlächter von Iquique“)

„Stehend erhielten die Arbeiter des Streikkomitees die Schüsse, wie von einem Blitz geschlagen, fielen sie um. Es gab ein Moment der Stille, bei dem die Maschinengewehre gesenkt wurden. Um dann auf dem Schulhof und in den Saal zu schießen.
Dann hörte das Geschützfeuer auf und die Soldaten traten durch die Seitentüre in die Schule, begannen auf brennende Frauen und Männer, auf flüchtende Kinder zu schießen.“

Am Ende des Tages wurden 3600 Tote gezählt.

(Überlebende des Massakers)

Dieses Massaker führte in den nächsten beiden Jahren zur Gründung der „Federación de Obrera de Chile“ mit dem Ziel, möglichst viele Arbeiter*innen und ihre Organisationen zu vereinen – Anarchist*innen , Marxisten, Sozialist*innen.

Am 14.Dezember 1914 versucht der Anarchist Antonio Ramón Ramón, Bruder des in Iquique ermorderten Manuel Vaca, den inzwischen zum Generalmajor beförderten Roberto Silva Renard zu töten. Dieser übersteht das Attentat leicht verletzt.

„http://youtu.be/mfNg67s6Pbs„> (Teatro del Oráculo, Die Rache des Ramón Ramón, Chile 2008)

1925 wehrten sich mitstreikende Frauen gegen ein anderes Massaker in La Coruna, indem sie Dynamistangen auf die heranrückende Armee warfen!!!


Dónde están los asesinos que mataron por matar?
Lo juramos por la tierra, los tendremos que encontrar.
Lo juramos por la vida, los tendremos que encontrar.
Lo juramos por la muerte, los tendremos que encontrar.
Lo juramos, compañeros, ese día llegará.

Wo sind die Mörder, die nur töten des Tötens willen?
Wir schwören bei der Erde, wir werden sie finden
Wir schwören beim Leben, daß wir sie finden werden
Wir schwören es beim Tode, wir werden sie aufspüren
Wir schwören es, Genoss*innen, dieser Tag wird kommen

(Aus der „Cantata de Santa Maria“)

„http://youtu.be/Yfe9KWiswI4″> (Video zum 21.Dezember 1907, mit Musik aus der `Cantata´)

Todo para todos – nada para nosostros

(Anarchistische Arbeiter 1907 in den Bergwerken von Chile)

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