Charlie Bauer(*): Eine Zelle im Kopf

(Knasttage 2011 – 2.Fortsetzung)

„Ich habe da geschrieben, wo das Wort verboten ist, an den Orten der absoluten Isolation, in den Hochsicherheitsgefängnissen von Fresnes(Nähe von Paris), Fleury(grösstes Gefängnis und Hochsicherheitstrakt Europas), Lisieux(in der Normandie), Mende oder anderswo. Das war gestern..

Und ich weiß, dass dieses Verbot heute andere erleben. Und morgen wird es, wenn wir nicht aufpassen, noch schlimmer werden, weil es offensichtlich immer etwas Schlimmeres als das Schlimmste gibt.
Es gibt keine konventionelle universelle Maßeinheit, um diesen oder jenen Grad des Schmerzes zu bestimmen; er muss als solcher denunziert werden, ob durch Gefängnis, Folter, Ausschluss, Hochsicherheitstrakt, Isolationstrakt, Unterdrückung, Repression, Herrschaft, Ausbeutung usw. usf.
Für die einen ist das Gefängnis ein Instrument der sozialen Regulierung, für die anderen ein Ort der Sühne, der Wiedereingliederung … Nichts davon kann dazu herhalten, das Gefängnis zu erklären. Es ist vor allem ein Ort der Verbannung, des Ausschlusses, ein Gebiet, auf dem im Namen des Rechts und des Sozialen, sogar der angeblichen „Gerechtigkeit“ all das Aus-den-Fugen-Geraten praktiziert wird, zu dem sich die Willkür autorisiert.
Das Universum des Nicht-Rechts oder der Repressionsapparate fordern die Kapitulation, die Negation jeder menschlichen, sozialen Dimension durch das Stadium der Resignation, der Unterwerfung..
Die Sicherheit besteht für diese Leute darin, diejenigen in Beton zu gießen, die aus der Norm fallen, die protestieren, die Forderungen erheben und ein paar Ideen zum Ausdruck bringen. Und wäre es nur die, dass ein Mensch ein Recht darauf hat zu existieren und sich menschlich selbst zu bestimmen.

Im Hochsicherheitsgefängnis oder Isolationstrakt ist alles eingemauert, einbetoniert, bewaffnet, vergittert … Vom Material bis zu den Überlebensbedingungen ist alles in die Ordnung eingemauert, die in ihren Amtsmissbrauch die Vernichtung des Menschen einschließt, der unter dem Joch der Sicherheit gefangen gehalten wird.

Trotz all dem gibt es Menschen, die Widerstand leisten und kämpfen, die gegen den Tod, den Ausschluss und jene Abstraktion kämpfen, die man ihnen aufzwingen und in der man sie aufreiben will. Menschen, die denken und handeln und von einer Vorstellung getrieben werden, die weit über die Sorge um die Neugestaltung der Gefängnisse hinausgeht.

Es gibt ein neues Bewusstsein, dem die Kritik an der politischen Macht, wie sie außerhalb der Gefängnismauern repräsentiert und ertragen wird, eine starke soziale Bedeutung verleiht. Was die Regierung auch immer unternehmen wird und wie entschlossen sie auch immer sein mag, dieses Bewusstsein zu brechen und zu zerstören — der Kampf kann sich dadurch nur weiter radikalisieren, und sei es in den Kampfformcn der Verzweiflung. Die Spirale ist unabwendbar. Jeder — wenn nicht alle — ist dafür verantwortlich. “ ..

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(*) Charlie Bauer, geboren im Norden von Marseille, in jungen Jahren militanter Kommunist und „Illegalist“, mit 19 verhaftet, gefoltert, 14 Jahre lang in verschiedene Trakts gesteckt, Hinwendung zum Anarchismus, erneute Inhaftierung. Zusammen mit z.B. Jacques Mesrine Kampf gegen das Knastsystem, u.a. mit Anschlägen und Befreiungsversuchen…..
Er starb am 7. August diesen Jahres.

http://youtu.be/wxJ1rVWdsCQ“>
(Charlie Bauer live. „Ich klage an“(in französisch)

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