Widerstand und Solidarität IM Gefängnis !(Und ein Lied)

(Knasttage 2011 – 1.Fortsetzung)


 Es gibt vieles zur Unterstützung von aussen in die Gefängnisse und umgekehrt. Leider wird so gut wie gar nicht über die Möglichkeiten des Widerstandes und die tägliche Solidarität innerhalb der Gefängnisse gesprochen( vielleicht von spektakulären Aktionen abgesehen). Das mag darin liegen, daß das Thema oft genug ausgeblendet wird, die einen wollen um jeden Preis nicht rein und die anderen orientieren sich meist ganz auf die Unterstützung von aussen, grenzen sich nach innen ab.Wir sind nicht unbedingt der Meinung, daß das Knastsystem die grösste Angst vor Knastwiderstand hat, der von aussen begleitet wird, wenn sich der Gefangene dabei innen von den anderen abwendet
. Denn der Widerstand entsteht am effektivsten drinnen.


Ja , stimmt schon. Widerstand im Gefängnis selber kann anstrengend und gefährlich sein, und es ist geraten, die Kämpfe zu wählen und Energie zu sparen, für Angelegenheiten, die wirklich wichtig sind. Und das gilt immer und von vorneweg: sich eine Gruppe suchen, als Rückhalt, als Heilung, als Aktionsplattform.

Um sich im Gefängnis zu organisieren, behaltet nach aussen ein neutrales Profil und vermeidet es, den Wachen direkt gegenüberzustehen. Wachen fürchten Unruhen und suchen immer schnell nach potentiellen Angreifer*innen, suchen sich oft aggressiv wirkende Gefangene aus. Was auch immer eure Ansichten über Gewalt und Gewaltlosigkeit sein mögen, die Kämpfe gegen die Wachen im Inneren des Gefängnisses führt in der Regel in die Iso, Verletzungen bei euch und möglicherweise zu mehr Repression. (Besonders auffällige Wachen sind eine Angelegenheit für die Freund*innen draußen). Fasten oder Hungerstreik mag strategisch ein Werkzeug sein, aber schnell wird euer Urteil dadurch getrübt, eure Reaktionen und Entscheidungen stark beeinträchtigt. Dabei auf jeden Fall durch Kontakt nach draußen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit heranholen – und im Gefängnis selbst einen „Esser“ ernennen, der vor Ort helfen kann, sich um euch sorgen und die Gesundheit kontrollieren kann.

Der Widerstand muss nicht nur mit Leid verbunden sein, sondern kann höchst kreativ sein. Wir können die Zeit im Gefängnis nutzen, um Fertigkeiten zu teilen, einander lehren und lernen. Werkzeuge organisieren, politische Diskussionen halten usw. Wir können auch Lieder, Gedichte und viele andere Formen der Unterstützung und Heilung teilen. Und natürlich Besprechungen abhalten, um über Strategien zu entscheiden. Aber – endlose Besprechungen können anstrengend und kontraproduktiv sein – ihr seid hier im Gefängnis — und denkt daran, daß Zellen und Telefone überwacht sind. Überlegt euch „Gefangenen namen“ – macht ihr beim Internet draussen ja auch . Das Gefängnis ist auch kein Ort, wo ihr eure Mitgefangenen mit dem Erzählen eurer vorherigen Verhaftungen langweilen könnt.

Solidarität mit anderen Gefangenen ist am effektivisten, wenn möglichst alle dieselbe Sache machen, so z.B. sind Aktionen für die gleiche Behandlung bei Verurteilungen und Gefängnisaufenthalten die, die am ehesten gelingen können und Mut und Vertrauen bringen für weitere, weitgehendere Aktionen.


Verschiedene Leute – auch entsprechende Behörden – versuchen uns häufig einzuschüchtern, gegeneinander auszuspielen, malen angsteinflößende Bilder, erzählen uns Geschichten wie „rassistisch“ der Gefangene oder „antisozial“ der andere sei.
Aber in der Regel sind auch diese Gefangenen unterstützend oder zumindest den Aktivist*innen gegenüber neutral. Ihr seid in einem System, wo vor allem Arme, People of Colour u.ä. entrechtet und entmachtet wurden. In einer Gruppe von Protestierenden ergibt sich dadurch ein neues Niveau der persönlichen und politischen Kraft. Wenn wir diese Kraft einsetzen, müssen wir die Wirksamkeit unseres Daseins vor allem bei den Gefangenen reflektieren, die all diese Mittel nicht oder nicht mehr haben.
Eine Gefängniserfahrung kann euch in kurzer Zeit mehr über das wahre Wesen von Unterdrückung lehren als Jahre des Studiums. Unsere Aufgabe ist es daher, diese Kenntnisse und unsere Wut darüber einzusetzen, für die wirkliche Gerechtigkeit für alle Gefangenen zu arbeiten.

Wir wissen, daß es hier ein Mikrokosmos dieser verfuckten Gesellschaft ist und wir wissen, wie schwierig es ist, diese auch nur ne Zeitlang ins Kippen zu bringen. Es gibt andereseits genügend Beispiele der täglichen Solidarität und Unterstützung in den Gefängnissen, bis hin zu grösseren Aktionen ( z.b. gemeinsames Fasten, nichtkooperative Handlungen ), die oft wie aus dem Nichts entstehen --- schaut und handelt , ihr habt ja sonst nichts anderes zu tun.

ExHäftlingsKollektiv

* *

Der Schliesser

Dieses Gefängnis der Zerstörung,
das foltert und das tötet
und dir das Herz zerbricht.
Es läßt die Menschen verrückt werden,
es macht das Leben krank.
Zwischen Gittern und Wachtürmen
gibt`s keinen Platz für Liebe.
Es wird kein Ausweg gesucht,
nur damit ein paar Leute,
im Namen der Gerechtigkeit,
jeden Tag noch besser leben.
Die, die im Knast befehlen,
sind dreckig und gemein,
und wie kranke Hunde,
werden niemals um Entschuldigung bitten.

Schließer, Schließer
Bist kein anständiger Mensch,
dein Beruf ist das allerletzte
und dein Herz fühlt nichts.
Im Knast fühlst du dich wie ein König,
weil dich das Gesetz beschützt.
Dein Gehirn ist verdorben
Und dein Leben hast du schon verloren.
Es wird kein Ausweg gesucht,
nur damit ein paar Leute,
im Namen der Gerechtigkeit,
jeden Tag noch besser leben.
Die, die im Knast befehlen,
sind dreckig und gemein,
und wie kranke Hunde,
werden niemals um Entschuldigung bitten.
Gehorsam und Autorität
Und den Gefangenen zu schlagen,
sind Kennzeichen deiner Identität.
Und wie du es genießt…
Schließer, Schließer
Bist kein anständiger Mensch,
dein Beruf ist das allerletzte
und dein Herz fühlt nichts.
Im Knast fühlst du dich wie ein König,
weil dich das Gesetz beschützt.
Dein ist Gehirn ist verdorben
Und dein Leben hast du schon verloren.

http://www.myspace.com/kojonprietoyloshuajolotes/music/songs/carcelero-15487336″>

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