Viva Cuba verdamente libre -Selbstorganisiertes Sozialforum in Havanna

„La revolución comienza ahora“

Das diesjährige SozialForum (Foro Social Observatorio Crítico) auf der Insel Kuba wurde, im Gegensatz zu den Foren in anderen Ländern, ohne institutionelle Unterstützung organisiert. Das Netz der täglichen Überwachungen zwang die Veranstalter*innen Tage vorher zur Improvisation. Anfangs war das Treffen in Santa Clara geplant (der Ort mit der –wirklich renovierungsbedürftigen? – Che Guevara Statue), doch die Behörden machten Druck auf den Leiter des dortigen Kulturzentrums. Doch Jahrzehnte der Überwachung und Repression machen erfinderisch und so fand das Ganze dann am 26.und 27.März am Stadtrand von Havanna statt. In einem grossen Garten im Stadtteil von Marianao (weit im Westen von Havanna)

Hier versammelten sich dann etwa sechzig soziale Aktivist*innen,Schrifsteller*innen, Blogger*innen , um „revolutionäre Perspektiven“ für Kuba und den Rest der Welt zu diskutieren ,aber auch durchaus Vorschläge zu machen für emanzipatorische gesellschaftliche Veränderungen. Diese jährliche Veranstaltung wurde zum ersten Mal komplett in Selbstverwaltung organisiert.
Crear, solidarizar, revolucionar“ – „Erschaffen, sich solidarisieren, revolutionieren“ – zu diesen Themen wurde diskutiert und sich „sozialisiert“, vor allem durch die Berichte, die von sozialen Aktivist*innen aus lokalen Initiativen und kommunalen Projekten aus den Bereichen Ökologie, Feminismus, Freiheit im Internet und soziale Kämpfe eingebracht wurden. Neben Filmvorführungen und einem Konzert des Rappers Escuadrón Patriota (siehe auch Artikel auf diesem Blog) wurden in verschiedenen Foren Themen wie Dezentralisierung der kubanischen Gesellschaft (wesentliche Voraussetzung dafür ist eine grössere aktive Beteiligung der kubanischen Gesellschaft) , die Bedeutung der Bloggerszene in Kuba ,die Schwierigkeit der revolutionären Projekte auf der Insel als auch die Situation von Homosexuellen, die weiterhin marginalisiert werden , dargestellt.
Aber auch schon im Entstehen begriffene Projekte wurden vorgestellt – einiges betraf vor allem die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die entgegen der herkömmlichen Parteipropagandafilmchen im Alltag ohne soziale und ökonomische Perspektive sind.

Die Debatten waren stark geprägt von soziokulturellem Hintergrund und offen auch für libertäre Ideen, Geschichten und Hintergründe. Schwerpunkt dabei waren zum einen „Die Pariser Kommune“ und der „Kronstädter Aufstand“ – wobei durchaus auf das befreiende Potenzial der jeweiligen sozialrevolutionären Bewegungen während derartiger Ereignisse hingewiesen wurde.

Es wären hier noch einige weitere Themen zu nennen, wie die rassistische und sexistische Diskrimierung im Alltag, die Kommerzialisierung der Kultur , der steigenden Kontaminacion, der Macht der Bürokratie und deren Mangel an Transparenz aber auch fehlende Kontrolle durch die Bevölkerung.

Es bleibt abzuwarten, ob dies alles seinen Niederschlag auch im Alltag der kubanischen Gesellschaft wieder findet – es wurde einiges über die „Revolutionierung des Alltagslebens“ erzählt, ob in Rapsongs oder in Gedichten, in Vorschlägen oder Projektentwicklungen – sehr viel ist noch Theorie und nur Unbehagen, die Grenze zwischen vielen Forumsteilnehmer*innen und den Menschen im Überlebenskampf der jeweiligen Barrios noch sichtbar --- aber es wurde an diesen beiden Tagen mehr als nur geredet – es sind und werden vor allem die Projekte vor Ort sein, die sozialen und soziokulturellen Aktionen, die tägliche Zusammenarbeit unter einem Netz von ständiger Überwachung und Repression, kapitalistischer Entwicklung und parteikommunistischer Propaganda , die dann vielleicht aus den noch wenigen GegenParolen auf den Mauern und den Gedanken der Forumsteilnehmer*innen Realität werden lassen : „Revolucion -Viva Cuba verdamente libre“ ….

http://youtu.be/p9z7-mTN-F0„>

(Los aldeanos – Viva Cuba verdamente libre)

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