Archiv für Juli 2010

http://www.anarchistan.co.cc/

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ist eine neue Webseite , die sich vor allem um die anarchistischen und libertären Bewegungen innerhalb und ausserhalb des Nahen bzw. Mittleren Ostens kümmert. Gerade in stark autoritären Gesellschaften ist der Kampf für eine libertäre Gesellschaft mit enormen Gefahren und Schwierigkeiten verbunden … in der deutschsprachigen Welt gibt es bisher sehr wenig darüber … bei der Zeitschrift „Graswurzel“ gabs mal vor einiger Zeit einen kurzen Überblick , bei „Radio Chiflado“ einen Podcast zum Libanon („Chimären“) und einen zu Israel/Palästina („Zwischen Zion und Mauer“)

Lebenslänglich in den Baracken

Menschen aus ganz Südafrika haben die Delegierten von Abahlali baseMjondolo gefragt, warum die Regierung weiterhin die Bedürfnisse der BarackenbewohnerInnen ignoriert. Sie haben gefragt, warum nach den Märschen, den Statements, den Berichten und den Treffen die Kennedy Road-Siedlung weiterhin durch endlose Feuer in der Barackensiedlung niedergebrannt wird. Sie haben sich dabei vor allem auf das letzte Feuer in Kennedy Road am 4. Juli 2010 bezogen, das vier Menschenleben forderte und mehr als 3.000 Menschen vertrieben und obdachlos machte.

Ohne diese anhaltende Tragödie weiter zu erläutern, haben wir geantwortet, dass die BarackenbewohnerInnen von Südafrika tatsächlich eine lebenslängliche Strafe verbüssen. JedeR weiß, dass wir diejenigen sind, die in dieser Gesellschaft nicht zählen. Aber die Wahrheit, der ins Gesicht gesehen werden muss, ist, dass wir zum permanenten Ausschluss aus dieser Gesellschaft verurteilt wurden.

Im Laufe der Jahre wurde klar, dass die Städte nicht für uns da sind, dass die guten Schulen nicht für uns da sind und dass sogar die Befriedigung der dringendsten menschlichen Bedürfnisse wie Toiletten, Strom, Sicherheit vor Feuer und Sicherheit vor Verbrechen uns nicht zugestanden wird. Wenn wir um diese Dinge anfragen, werden wir als unverschämt, zu fordernd und sogar als Bedrohung für die Gesellschaft dargestellt. Würden wir als Menschen betrachtet, die zählen, als gleichwertiger Teil der Gesellschaft, dann wäre offensichtlich, dass die echte Bedrohung unserer Gesellschaft darin besteht, dass wir im Dreck und Feuer leben müssen, ohne Toiletten, Strom, ohne ausreichende Kanalisation und ohne Würde.

Das Warten auf ‘Lieferungen’ wird uns nicht aus unserer lebenslänglichen Haft befreien. Manchmal kommt die ‚Lieferung’ nicht. Wenn die ‚Lieferung’ kommt, verschlimmert sie die Situation oft noch, indem wir in regierungseigene Baracken verfrachtet werden, die schlimmer sind als die Baracken, die wir selbst errichtet haben, und die menschliche Müllhaufen außerhalb der Städte sind. ‚Lieferung’ kann ein Weg sein, unseren Ausschluss aus der Gesellschaft offiziell zu machen.

Aber wir wurden nicht nur zum permanenten physischen Ausschluss aus der Gesellschaft und ihren Städten, Schulen, ihrem Strom, ihrer Abfallentsorgung und ihrer Kanalisation verurteilt. Unser Lebenslänglich hat uns auch aus Diskussionen ausgeschlossen, die in der Gesellschaft stattfinden. JedeR weiß Bescheid über die staatliche Repression und nun auch über die Repression durch die herrschende Partei, mit der wir konfrontiert sind. JedeR weiß Bescheid über die Jahre an Haftstrafen und die Schläge durch die Polizei, unter denen wir leiden, und dann noch über den Angriff auf unsere Bewegung in der Kennedy Road-Siedlung.

Wir haben immer gesagt, dass unser tatsächliches Verbrechen in den Augen des Staates und der herrschenden Partei war, dass wir die Armen außerhalb ihrer Kontrolle organisiert und mobilisiert haben. Wir haben für uns selbst gedacht, alle wichtigen Punkte für uns selbst diskutiert und die Entscheidungen zu allen wichtigen Punkten, die uns betreffen, selbst getroffen. Wir haben verlangt, dass der Staat uns in die Gesellschaft einschließt und uns gibt, was wir für ein würdevolles und sicheres Leben brauchen. Wir haben auch getan, was wir konnten, um unsere communities zu besseren Orten für menschliche Wesen zu machen. Wir haben Kinderkrippen geführt, Aufräumungskampagnen organisiert, Menschen an Wasser und Strom angeschlossen, versucht, unsere communities sicher zu machen und sehr hart daran gearbeitet, die Menschen über alle Spaltungen hinweg zu vereinen. Wir haben uns vielen Herausforderungen gegenüber gesehen, aber wir haben immer daran gearbeitet sicher zu stellen, dass wir einander bei all dieser Arbeit mit Respekt und Würde gegenübertreten.

Die Selbstorganisierung der Armen durch die Armen und für die Armen hat bedeutet, dass alle, die die Denkarbeit, die Diskussionen und die Entscheidungsfindung zu unseren Belangen – für uns, aber ohne uns – keinen Job mehr hatten. Unsere Entscheidung, unsere Zukunft selbst aufzubauen, mag daher für diejenigen, die nicht mehr Entscheidungen treffen und für uns, aber ohne uns sprechen können, nicht leicht zu akzeptieren sein. Einige der Leute, die sich geweigert haben, unsere Forderung zu akzeptieren, dass diejenigen, die sagen, sie sind für die Armen, mit den Armen und nicht für die Armen kämpfen sollen, sitzen im Staatsapparat. Einige in der Partei. Einige sind in dem Teil der Linken, oft auf den Universitäten und in den NGOs, der sich selbst als fortschrittlichere Elite betrachtet als diejenigen in der Partei und im Staatsapparat und der darauf abzielt, deren Platz im Namen unseres Leids und unserer Kämpfe einzunehmen.

Das nennen wir eine rückschrittliche Linke. Für uns ist jede Linke außerhalb des Staates, die – genau wie die herrschende Partei – Gefolgsleute möchte und keine GenossInnen und die darauf festgelegt ist, jede Politik, die sie nicht beherrschen kann, zu zerstören, völlig rückschrittlich. Wir haben immer jedem Versuch widerstanden, unsere Loyalität zu kaufen, genauso wie wir immer allen Versuchen des Staates und der herrschenden Partei widerstanden haben, unsere Loyalität zu kaufen. Und so wird es weiterhin sein. Wir werden auch allen Versuchen, uns einzuschüchtern, indem wir unsere Autonomie aufgeben, widerstehen. Wir werden unsere GenossInnen immer verteidigen, wenn sie angegriffen werden. Unsere Bewegung wird immer ihren Mitgliedern gehören. Wir verhandeln über viele Punkte. Wo wir Kompromisse eingehen müssen, um weiter zu kommen, machen wir das manchmal auch. Aber über diesen Punkt wird es niemals irgendeine Verhandlung geben.

Wir haben viel für und durch uns selbst gemacht. Aber lange Zeit gelang es uns nicht, uns selbst gutes Land und anständigen Wohnraum in den Städten zu sichern. Wir haben die Räumungen gestoppt und sind nicht mehr zurückgewichen, aber es war in Wirklichkeit ein Kampf, um weiter zu kommen. Aber wir machten weiter Druck und hier und dort verschafften wir uns kleine Vorteile. Das hat die Autoritäten in der Partei echt verärgert. Das wurde ganz offensichtlich, als die Provinzregierung von KwaZulu-Natal das berüchtigte Slum-Gesetz erließ, das bedeutet, dass die BarackenbewohnerInnen niemals wieder irgendeinen Platz in unseren Städten erhalten werden. Unsere erfolgreiche Bekämpfung des Slum-Gesetzes vor dem Obersten Gericht im Land war ein schlimmer Rückschlag für die Regierungspläne, unser Lebenslänglich offiziell zu machen, indem unsere Siedlungen ausgelöscht werden und wir auf menschliche Müllhaufen geworfen werden. Das Abkommen, das wir mit der Gemeinde eThekwini geschlossen haben, unsere Siedlungen zu verbessern und die grundlegenden Dienstleistungen für vierzehn Siedlungen zu gewährleisten, war ein weiterer Rückschlag für das von den Politikern verfochtene Programm der Auslöschung. Die Ankündigung der Gemeinde eThekwini in letzter Zeit, dass sie unseren Forderungen nachgeben wird und den Siedlungen quer durch die Stadt Dienstleistungen zur Verfügung stellen wird, darunter das erste Mal seit 2001 auch Strom, ist ein weiterer Sieg unserer Kampfes und ein weiterer großer Rückschlag für die Auslöschungspläne. Langsam, aber sicher vereiteln wir den Auslöschungsplan.

Als Südafrika die Weltmeisterschaft veranstaltet hat, hat Abahlali gewarnt, dass diese nicht den Ärmsten der Armen im Land zugute kommen wird. Wir warnten, dass sie die Armen ärmer und noch verwundbarer machen würde. In der Vorbereitungsphase der Weltmeisterschaft gab es mehr Räumungen gerichtsanhängige Verfahren in verschiedenen Teilen des Landes. Hab und Gut armer StraßenhändlerInnen wurde beschlagnahmt, weil sie keine Genehmigungen zum Verkauf in den Sperrgebieten hatten, und die Taxiindustrie litt unter Beschlagnahme ihrer Autos. Das Aufwerfen all dieser Fragen und die Verurteilung dieser Angriffe auf die Armen als unmoralisch und illegitim, das die Feiern zur Weltmeisterschaft stoppte, war ein Schlag ins Gesicht der Behörden. Obwohl es eine Tatsache ist, dass die Stadien, Hotels und anderen Projekte von den Ärmsten der Armen gebaut wurden, hatten diese nichts davon. Die südafrikanische Regierung hat ihr Budget durch die Errichtung eines ‚Weltklasselandes’ überzogen und konnte wegen diesem Aufwand die sozialen Bedürfnisse wie Wohnen und grundlegende Dienstleistungen nicht befriedigen. Mit dem, was für die Weltmeisterschaft ausgegeben wurde, hätten mindestens Wohnungen für eine Million Arme errichtet werden können. Obwohl wir die Anstrengungen, die für diesen Event unternommen wurden, anerkennen, spüren wir immer noch, dass solche Anstrengungen dazu genutzt hätten werden können, den Armen grundlegende Dienstleistungen und Infrastruktur zu bringen. Wäre das der Fall gewesen, wären die BarackenbewohnerInnen nicht mehr den ständigen Feuern ausgesetzt.

Die Wahrheit über den Angriff auf unsere Bewegung war immer die gleiche, da gab es keine Änderungen. Wir können nicht öffentliche Kommentare über laufende Verfahren abgeben, aber unsere Forderung nach einer unabhängigen Untersuchungskomission, die die gesamte Geschichte ans Tageslicht bringt, ist weiterhin aufrecht. Die Kennedy 5, die Teil derjenigen sind, die bereits ihr Lebenlänglich in- und außerhalb der Gefängnisse absitzen, wurden nun aus dem Westville-Gefängnis entlassen. Sie saßen bereits zehn Monate ihrer Strafe ohne jeglichen Beweis ihrer Schuld ab, wurden vor Gericht gebracht, ohne dass das Gericht irgendetwas zu ihrer illegalen Inhaftnahme äußerte. Die südafrikanische Verfassung sagt, dass es keine Haft ohne Verhandlung geben darf und dass niemand länger als 24 Stunden in Haft genommen werden darf ohne eine ordentliche Anhörung wegen einer Kaution. Die Tatsache, dass bis zur Entlassung der Kennedy 5 dieses Verfahren als ein politisches Verfahren außerhalb des Gesetzes geführt wurde, obwohl es in einem Gerichtsgebäude stattgefunden hat, lehrt uns einiges, sehr Wichtiges über die Position der Armen im post-Apartheid-Südafrika. Diejenigen, die uns ein Lebenslänglich ausgestellt haben, möchten uns immer von einem fairen und gleichen Zugang zu Gericht und den Gesetzen ausschließen. Wenn ihnen das nicht dadurch gelingt, dass sie das Rechtssystem zur Ware machen, dann sind sie gewillt, aktiv das System von oben herab zu unterminieren.

Die Bewegung besteht darauf, dass die Menschen regieren sollen; das sagt die berühmte Freiheitscharta (des ANC) aus. Abahlali hält sich daran. Die Stärke und die Autonomie der Bewegung zwingt uns alle dazu, uns um eine gerechte Welt zu bemühen, eine Welt, die frei ist, eine Welt, die fair ist und eine Welt, die sich um all ihre Geschöpfe kümmert. Wir sind weiterhin überzeugt davon, dass das Land und der Wohlstand dieser Welt gerecht und gleich geteilt werden müssen. Wir sind weiterhin überzeugt davon, dass alle Menschen dieser Welt das gleiche Recht haben, zu Diskussionen und Entscheidungen, die ihre eigene Zukunft betreffen, beizutragen. Damit wir erfolgreich sind, müssen wir alle bescheiden bleiben, in dem, von dem wir glauben, dass es stimmt. Wir müssen all unseren Kerkermeistern widerstehen, seien es die staatlichen, die der Partei oder der rückschrittlichen Linken, und unseren Platz als Gleiche bei allen Diskussionen einnehmen.

Wir wissen auch, dass die südafrikanische Regierung immer noch in den Augen der Weltöffentlichkeit gut dastehen möchte, und dass sie Blamage und Schande fürchtet. Sie möchten der Welt die Stadt der Weltmeisterschaft zeigen, aber eTwatwa, Blikkiesdorp, das Westville-Gefängnis, die roten Ameisen und die Barackenfeuer im Land vor ihr verstecken. Wir möchten allen internationalen AktivistInnen und Organisationen, die ihre Besorgnis gegenüber der Repression, der wir ausgesetzt sind, geäußert haben, danken, auch denjenigen, die Proteste gegenüber südafrikanischen DiplomatInnen in ihren eigenen Ländern durchgeführt haben.

Wir hoffen, dass unsere Gesellschaft eines Tages mehr eine Bereicherung als ein Schock für euch sein wird. Als Abahlali haben wir uns selbst dazu verpflichtet, dieses Ziel zu erreichen. Aber gerade jetzt sitzen wir ein Lebenslänglich ab und bekämpfen alle, die versuchen, uns in unserer Armut gefangen zu halten, alle, die fordern, dass wir unseren Platz kennen sollen – unseren Platz in den Städten und unseren Platz in den Diskussionen. Wir haben unsere eigene Menschlichkeit und die Kraft unseres Kampfes, unsere volle Anerkennung unserer Menschenwürde anzuerkennen, kennengelernt. Deshalb bleiben wir der Weigerung, unseren Platz zu kennen, verpflichtet.

Zusammengestellt von Zodwa Nsibande und S’bu Zikode – Bewegung Abahlali baseMjondolo Südafrika.

Cuba libertaria Juni-Juli 2010

http://www.nodo50.org/ellibertario/cubalibertaria.html
„Cuba libertaria“ Juni-Juli 2010 ist erschienen — kurz wird auf die beabsichtigte Freilassung sogenannter „politischer“ Gefangener hingewiesen, die das Regime in Kuba in keinerlei Weise belasten, hat doch keiner der Beteiligten samt der Katholischen Kirche irgendetwas wie „Demokratisierung“ damit vor .. aber ein Grund mehr, öffentlich zu machen, daß die Menschen in Kuba über ihre Zukunft selbst zu entscheiden haben …. einige Artikel in der aktuellen Ausgabe haben dies zum Thema

Die Welt wird frei sein oder sie wird nicht mehr sein! (siehe auch rechts bei „Blogsport“)

Nie wieder „Weltmeisterschaften“!

Erklärung des „Zabalaza Netzwerkes “ aus Suedafrika

Die Fußball-Weltmeisterschaft muss als die Schande aufgezeigt werden, die sie ist. Die ZACF verurteilt zutiefst die Scheinheiligkeit und Verlogenheit, mit der die Regierung die Weltmeisterschaft als einzigartige Gelegenheit zur Steigerung der ökonomischen und sozialen Verhältnisse der in Südafrika und Afrika lebenden Bevölkerung präsentiert.
Dabei ist und war diese Gelegenheit lediglich eine Fressorgie für das inländische und globale Kapital und die in Südafrika herrschende Elite. Tatsächlich hat das Ereignis verheerende Konsequenzen für die Armen und die arbeitende Klasse in Südafrika – ein Vorgang, der bereits begonnen hat.
Allein für die Vorbereitungen zur Weltmeisterschaft gab die Regierung nahezu 800 Millionen Rand aus, 757 Millionen Rand für die Infrastruktur und 30 Millionen Rand für Stadien, die nie mehr gefüllt sein werden – ein Faustschlag ins Gesicht derjenigen, die in einem Land leben, das sich durch ausweglose Armut und rund 40% Arbeitslosigkeit charakterisiert.
Über die letzten fünf Jahre haben die verarmten Arbeiterinnen und Arbeiter in über 8000 konkreten Fällen ihre Wut und Enttäuschung über die Unfähigkeit der Regierung zum Ausdruck gebracht, die soziale Ungleichheit durch eine Verbesserung der Grundversorgung und des sozialen Wohnungsbau zu beheben. Das Muster der Investitionen ist ein weiter Beleg für das Versagen des neoliberalen kapitalistischen Models und den damit verbundenen ökonomischen Auswirkungen nach unten, die für Ungleichheit und globale Armut verantwortlich sind. Neben verschiedenen Eingeständnissen gab die Regierung letztens klein bei, indem sie zugab, dass die Weltmeisterschaft nie dazu gedacht war, Profite zu erwirtschaften.

Südafrika benötigt besonders im Bereich des Transportwesens dringend eine großflächige öffentliche Infrastruktur, da jene in bestimmten Städten, inklusive Johannesburg, gar nicht existiert. Der „Gautrain“, der gerade noch rechtzeitig für das große Ereignis am 8. Juni eingeweiht wurde, ist hier eine der größten Ironien. In einem Land, in dem die Masse der Menschen zur Überwindung weiter Strecken auf den Transport mit unsicheren kleinen Minibussen angewiesen ist, bietet der „Gautrain“ für teure 100 Rand eine schnelle und luxuriöse Fortbewegung für Touristen und Reisende zwischen Pretoria und Johannesburg.

Das gleiche Bild findet sich immer wieder. Die südafrikanische Fluggesellschaft ACSA gab über 16 Millionen Rand für die Modernisierung ihrer Flughäfen aus; die kommerzielle South African National Road Agency (SANRAL) investierte 23 Millionen Rand für den Ausbau eines mautpflichtigen Straßennetzes, dass den Armen kaum nützlich sein wird.
Gleichzeitig begannen landesweit die Behörden aller Großstädte mit Gentrifizierung verursachenden urbanen Regenerationsprogrammen, um die harsche südafrikanische Realität notdürftig zu übertünchen. Allein in Johannesburg wurden über 15.000 Obdachlose und Straßenkinder eingekreist und in notdürftigen Unterkünften untergebracht; in Kapstadt haben die lokalen Regierungsbehörden tausende von Menschen aus Armutsvierteln und besetzten Gegenden gewaltsam vertrieben – alles im Namen der Weltmeisterschaft.
Ohne Erfolg war der Versuch gekrönt, rund 10.000 Bewohner der Joe Slovo Ansiedlung aus ihren Häusern gewaltsam zu vertreiben, um sie vor den Touristen auf der N2 Autobahn zu verbergen; woanders wurden Menschen erfolgreich vertrieben, um Platz für Stadien, Fan-Parks oder Bahnhöfe zu schaffen. In Soweto wurden die Straßen entlang der touristischen Verkehrswege verschönert, wogegen wenige Meter abseits davon einsturzgefährdete Schulgebäude mit zerbrochenen Fenstern stehen.
Obwohl viele Südafrikanerinnen und Südafrikaner zweifeln, wurden andere mitgerissen von der die Weltmeisterschaft begleitenden nationalistischen Propaganda. Jeder Freitag wurde zum „Soccer Friday“ ernannt, an dem das Land aufgefordert ist, ein Trikot der Nationalmanschaft Bafana-Bafana zu tragen – Schulkinder wurden dazu gezwungen. Autos werden mit Flaggen behängt und überall der Diski-Tanz eingeübt, der dann regelmäßig in Touristen-Restaurants aufgeführt wird, neben dem Zakumi-Maskottchen, das zum Kauf angeboten wird. Wer sich dem Hype skeptisch gegenüber zeigt, wird als unpatriotisch denunziert. Das beste Beispiel waren die Aufrufe an die streikenden Mitglieder der Südafrikanischen Transport und Vereinte ArbeiterInnen Gewerkschaft (SATAWU), den Streik im nationalen Interesse aufzugeben.
In diesem Kontext verloren über das letzte Jahr verteilt fast eine Millionen Menschen ihren Job; dagegen klingen die Phrasen der Regierung, dass die Weltmeisterschaft über 400.000 neue Arbeitsplätze geschaffen hat, hohl und beleidigend. Die im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft neu geschaffenen Arbeitsplätze waren größtenteils befristet und gingen an Arbeiterinnen und Arbeiter, die keiner Gewerkschaft angehörten, und das Gehalt lag weit unter dem üblichen Mindestlohn.
Neben der Unterdrückung von Gewerkschaften griff die Regierung soziale Bewegungen an, denn inoffiziell hat sie ein Pauschalverbot aller Proteste während der Veranstaltung festgelegt. Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass dieses Pauschalverbot bereits seit dem 1. März in Kraft getreten ist. Jane Duncan merkt dazu an: Eine überraschende Begutachtung anderer kommunaler Behörden am Ende vergangener Woche, die ebenso Gastgeber der Weltmeisterschaft sind, offenbarte dass ein generelles Verbot jeglicher Versammlungen in Vorbereitung ist. Der Behörde von Rustenberg nach werden „Versammlungen während der Weltmeisterschaft verboten“. Den Behörden in Mbombela wurde durch die SAPS mitgeteilt, dass sie während der Weltmeisterschaft keine Versammlungen erlauben dürfen. Der Stadtrat von Kapstadt teilte mit, dass er zwar Anträge für Demonstrationen weiterhin annehmen werde, verwies jedoch darauf, dass es während der Weltmeisterschaft „Probleme“ geben wird. Die Behörden von Nelson Mandela Bay und Ethekwini teilten mit, dass die Polizei während der Weltmeisterschaft keine Versammlungen erlauben werde.

Obwohl bekannt ist, dass die Verfassung, die wegen ihrer vermeintlichen Fortschrittlichkeit oftmals gepriesen wird, weit davon entfernt ist, ein Garant für Freiheit und Gleichheit zu sein, so wie es die Regierung proklamiert, steht diese Repression im Widerspruch zu der in der Verfassung garantierten Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Soziale Bewegungen in Johannesburg, darunter das Anti-Privatisierungs-Forum und verschiedene andere, erreichten mit Hilfe des Instituts für Meinungsfreiheit die Erlaubnis für einen Protestmarsch am Tag der Eröffnung. Trotzdem musste die Demonstration drei Kilometer vor dem Stadium enden, um nicht die von der Regierung befürchtete Aufmerksamkeit der Medien zu erregen.
Es ist nicht nur der Staat, der die harte Repression gegen die arme Bevölkerung und jede Form der Anti-Weltmeisterschafts-Proteste durchsetzt, zur Aufmachung eines Südafrika, das die Arme bereitwillig für jene aufhält, die in die Hotels, Bed-and-Breakfeast- und Cocktail-Launges strömen. Er tut es insbesondere unter der Anleitung des als FIFA bezeichneten kriminellen Imperiums von Sepp Blatter und seinen Freunden, welches das Durban Social Forum ganz wundervoll als THIEFA angesprochen hat. Der erwartete Gewinn für die FIFA wird im Glücksjahr 2010 auf rund 1,2 Milliarden Dollar geschätzt; allein durch die Medienrechte strich sie bereits über 1 Milliarde Dollar ein.

Die Stadien und die Räume um die Stadien, wurden für die Dauer des Turniers an die FIFA übergeben und alle Straßen dorthin von Menschen gesäubert, die nicht-lizensierte Fifa Produkte verkaufen oder mühselig ihren Lebensunterhalt an den Zufahrtsstraßen zu den Flughäfen verdienen. Dadurch werden all diejenigen ausgegrenzt, die durch die Weltmeisterschaft ihr geringes Einkommen aufbessern wollten. Sie sind es, die von den Auswirkungen nach unten betroffen sind. Die FIFA, als alleiniger Besitzer der Marke Weltmeisterschaft, beschäftigt ungefähr 100 Anwälte, die das Land von unauthorisierten Verkäufen und unerlaubter Werbung säubern. Die Produkte werden dann vernichtet und die Verkäuferinnen und Verkäufer eingesperrt. Abgesehen davon fehlt den meisten sowieso das Geld, sich ein Trikot für 400 Rand zuzulegen. Das Anwaltsteam hat ebenso dafür gesorgt, dass Akkreditierungen für Journalistinnen und Journalisten mit einer Klausel versehen wurde, die verbietet, die FIFA zu diskreditieren, was einen klaren Verstoß gegen die Pressefreiheit darstellt.
Die größte Ironie des ganzen ist, dass Fußball einmal der wahre Sport der Arbeiterklasse war. Der Besuch eines Spiels war billig und einfach zugänglich für Menschen, die sich entschieden, für 90 Minuten die tägliche Schinderei unter den Stiefeln von Boss und Staat zu vergessen. Heute erwirtschaften der professionelle Fußball und die Weltmeisterschaft exorbitante Gewinne für eine kleine globale und inländische Elite. In Zeiten der globalen Krise fließen Milliarden an diese Elite, die dann tausende an Rand, Pfund oder Euros an Paten oder parasitäre Agenten vergeben, die darüber lamentieren, ob die überbezahlten Fußballer ihr Gehalt verdienen oder nicht. Ein Spiel, dessen Schönheit teilweise noch vorhanden ist, hat seine Arbeiterseele verloren und wurde auf eine weiter Ware reduziert, die ausgebeutet wird.

Bakunin sagte einmal, „die Menschen gehen aus dem gleichen Grund in die Kirche, aus dem sie in die Kneipe gehen: um sich selbst zu verdummen, um ihre Nöte zu vergessen, um sich für ein paar Minuten ganz zu vergessen, um frei und glücklich zu sein“.
Vielleicht lässt sich, neben dem blinden Schwenken der Nationalfahnen und dem Tröten auf der Vuvuzela, der Sport in diesen Vergleich einreihen, da es einfacher erscheint zu vergessen, anstatt sich aktiv am Kampf gegen Ungerechtigkeit und Ungleichheit zu beteiligen. Aber unter den Arbeiterinnen und Arbeitern und den Armen gibt es viele, die das trotzdem tun und deren Organisationen nicht so leicht anfällig sind für die Illusionen, die uns die Regierung einreden will. Von den temporär besetzen Flächen vor den Toren der Stadien, den Massenprotesten und Demonstrationen, hin zu den landesweiten erlaubten oder unerlaubten Streiks, gegen das Gespött und Gejohle unpatriotisch zu sein oder dem Verbot der Meinungsfreiheit, werden wir trotzig unseren Stimmen Gehör verschaffen, bis die schreckliche Ungleichheit, die unsere Gesellschaft charakterisiert und die globalen Spiele, die auf Kosten jener gespielt werden, die von den Imperien ausgebeutet werden, vernichtet sind.

Nieder mit der Weltmeisterschaft!
Zerschlagt Nationalismus!
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