Lucio: Fälscher, Bankräuber, Anarchist


„Es gibt keine größere Ganoven, als die Banken – und denen das Geld wegzunehmen, ist das einzige Mittel, das Anarchisten haben, ohne Finanzierung aus der Industrie oder durch Regierungsvertreter, um das Leben so vieler und deren Widerstand zu finanzieren“


Lucio Urtubia
wurde am 18. Februar 1931 in Cascante (Navarra) geboren, eine armselige Umgebung, wo die Männer als Tagelöhner, die Frauen oft als Näherinnen versuchen, zu überleben. Lucio wächst ohne sogenannte Schulbildung auf, geht zum Militär. Als er mit einigen seiner Kameraden ein Lebensmitteldepot plündert, muss er nach Frankreich flüchten und arbeitete dort als Maurer.
Er schliesst sich der Anarchistischen Föderation an, lernt Albert Camus und Andre Breton kennen. Irgendwann bitten ihn einige GenossInnen, einen spanischen Flüchtling, Anarchist wie er, zu verstecken. Es ist Francesco Sabaté Llopart – ein damals schon von Legenden umhüllter anarchistischer Guerrillero gegen das Francoregime. Durch seinen Einfluss wird Lucio zum Experten für illegale Geldbeschaffungsaktionen und das Fälschen von Dokumenten aller Art. Jede Revolte, die in seinen Augen einer besseren Welt dient, wird von ihm durch diese Fertigkeiten unterstützt. Hunderte von revolutionären Organisationen, AktivistInnen, die in den 70erJahren aus Lateinamerika verschwinden mussten, bekamen gefälschte Pässe, durch Bankraub und Scheckfälschungen wurden deren Kämpfe gegen die Dikaturen unterstützt.
Den grössten Coup landete Lucio allerdings, in dem er Reisechecks der nordamerikanischen CityBank fälschte. Überall in Europa wurden zur gleichen Zeit Reisechecks mit der gleichen Code-Nummer eingelöst – und so einige Millionen an den Widerstand in Europa und vor allem nach Uruguay gebracht. Bei seiner Verhaftung 1980 fand die Polizei bei ihm noch einen Koffer voll dieser excellent gefälschten Reisechecks. Die City Bank reagierte äusserst besorgt. Versprach, die Anzeige gegen ihn fallen zu lassen, wenn er ihnen die Druckerplatten aushändigen würde.
Damit war erst einmal das Leben als Fälscher vorbei. Die nächsten Jahren arbeitete er als Mauer weit, immer wieder bei anarchistischen Aktionen dabei.
„Leute wie Louise Michel, Sabate, Durruti, alle anderen Expropriateure lehrte mich zu enteignen, aber nicht zur persönlichen Bereicherung, sondern um etwas zu ändern. Für mich sind Enteignungen notwendig . Als Revolutionär kann ich sagen, Raub und Enteignung sind revolutionäre Akte, solange sie nicht persönlich genutzt werden.“

Sein Leben wurde von Aitor Arregi und Jose Mari Goenaga unter dem Titel „Lucio,anarquista“ verfilmt; der französische Journalist Bernard Thomas schrieb ein Buch über ihn. Ende 2008 erschien bei Txalaparta seine Autobiografie. Lucio Urtubia betreibt heute das sozio-kulturelle Zentrum Louise Michel im Stadt Belleville von Paris. „Sozialrebell, Geldfälscher, Bandit, moderner Robin Hood – die Liste der Titel, mit denen Lucio Urtubia beehrt wurde, ist lang. Sein Leben, das wie ein Abenteuerroman klingt, ist ein Spiegel der revolutionären Bewegungen Europas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
(aus einer Verlagsmitteilung von Assoziation A, die eine deutschsprachige Ausgabe seiner Biografie planen)

Bei „Töne“ findet ihr einen Link zum Film

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