Archiv für April 2010

Lucio: Fälscher, Bankräuber, Anarchist


„Es gibt keine größere Ganoven, als die Banken – und denen das Geld wegzunehmen, ist das einzige Mittel, das Anarchisten haben, ohne Finanzierung aus der Industrie oder durch Regierungsvertreter, um das Leben so vieler und deren Widerstand zu finanzieren“


Lucio Urtubia
wurde am 18. Februar 1931 in Cascante (Navarra) geboren, eine armselige Umgebung, wo die Männer als Tagelöhner, die Frauen oft als Näherinnen versuchen, zu überleben. Lucio wächst ohne sogenannte Schulbildung auf, geht zum Militär. Als er mit einigen seiner Kameraden ein Lebensmitteldepot plündert, muss er nach Frankreich flüchten und arbeitete dort als Maurer.
Er schliesst sich der Anarchistischen Föderation an, lernt Albert Camus und Andre Breton kennen. Irgendwann bitten ihn einige GenossInnen, einen spanischen Flüchtling, Anarchist wie er, zu verstecken. Es ist Francesco Sabaté Llopart – ein damals schon von Legenden umhüllter anarchistischer Guerrillero gegen das Francoregime. Durch seinen Einfluss wird Lucio zum Experten für illegale Geldbeschaffungsaktionen und das Fälschen von Dokumenten aller Art. Jede Revolte, die in seinen Augen einer besseren Welt dient, wird von ihm durch diese Fertigkeiten unterstützt. Hunderte von revolutionären Organisationen, AktivistInnen, die in den 70erJahren aus Lateinamerika verschwinden mussten, bekamen gefälschte Pässe, durch Bankraub und Scheckfälschungen wurden deren Kämpfe gegen die Dikaturen unterstützt.
Den grössten Coup landete Lucio allerdings, in dem er Reisechecks der nordamerikanischen CityBank fälschte. Überall in Europa wurden zur gleichen Zeit Reisechecks mit der gleichen Code-Nummer eingelöst – und so einige Millionen an den Widerstand in Europa und vor allem nach Uruguay gebracht. Bei seiner Verhaftung 1980 fand die Polizei bei ihm noch einen Koffer voll dieser excellent gefälschten Reisechecks. Die City Bank reagierte äusserst besorgt. Versprach, die Anzeige gegen ihn fallen zu lassen, wenn er ihnen die Druckerplatten aushändigen würde.
Damit war erst einmal das Leben als Fälscher vorbei. Die nächsten Jahren arbeitete er als Mauer weit, immer wieder bei anarchistischen Aktionen dabei.
„Leute wie Louise Michel, Sabate, Durruti, alle anderen Expropriateure lehrte mich zu enteignen, aber nicht zur persönlichen Bereicherung, sondern um etwas zu ändern. Für mich sind Enteignungen notwendig . Als Revolutionär kann ich sagen, Raub und Enteignung sind revolutionäre Akte, solange sie nicht persönlich genutzt werden.“

Sein Leben wurde von Aitor Arregi und Jose Mari Goenaga unter dem Titel „Lucio,anarquista“ verfilmt; der französische Journalist Bernard Thomas schrieb ein Buch über ihn. Ende 2008 erschien bei Txalaparta seine Autobiografie. Lucio Urtubia betreibt heute das sozio-kulturelle Zentrum Louise Michel im Stadt Belleville von Paris. „Sozialrebell, Geldfälscher, Bandit, moderner Robin Hood – die Liste der Titel, mit denen Lucio Urtubia beehrt wurde, ist lang. Sein Leben, das wie ein Abenteuerroman klingt, ist ein Spiegel der revolutionären Bewegungen Europas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
(aus einer Verlagsmitteilung von Assoziation A, die eine deutschsprachige Ausgabe seiner Biografie planen)

Bei „Töne“ findet ihr einen Link zum Film

„Schwarzer Winkel (und Co)“Schafft den „Tag der Arbeit“ ab !!!

Während „KünstlerInnen“ ihr vom Staat nicht geförderte Skulptur einfordern, „revolutionäre Tanzflächen“ von den Parteien gesponsert werden sollen, sie alle zentral und doch von allen anderen getrennt, oft am Vorabend des 1.Mai versammelnd, besetzen Gewerkschaften , Parteien und parteiähnliche Organisationen am Vormittag danach schon seit so langer Zeit alle Strassen –
Wir fordern stattdessen weg mit diesem 1.Mai, dem „Tag der Arbeit“ – denn während alle oben genannten ihre Teilhabe am Kapitalismus einklagen, erinnern wir uns an die, die von allen verkannt, bekämpft und bestenfalls negiert wurden und werden ---

Der nachfolgende Artikel wurde für die Ausstellung „Marginalisierte“ im Januar 2008 formuliert und als Audiodatei veröffentlicht. In diesen zwei Jahren haben sich viele der dort aufgestellten Zusammenhänge nicht geändert, d.h. doch: sie sind deutlicher, rassistischer und mehrheitsfähiger geworden.


Schwarzer Winkel und Co.

Ihr behandelt mich wie Scheisse, wie den allerletzten Dreck
Doch guck ich euch in die Augen, dann dreht ihr euch lieber weg
Ihr nennt mich Penner, wenn ich durch eure Viertel geh
Weil ich keine Kohle hab und anders ausseh
Doch nur hinter vorgehaltner Hand, denn ihr seid feige
Aber wartet nur ab, denn mit euch geht’s auch zu Neige
Dann bleibt euch eure Arroganz im Halse stecken
Eure Dummheit und Ignoranz, daran sollt ihr verrecken


Auch wenn die Verfolgung und Vernichtung der so genannten „Asozialen“ fast siebzig Jahre zurückliegt, drängen sich in den aktuellen Methoden des Arbeitszwangs, der „Faulenzer und Unterschichten“ Debatte und der damit verbundenen Repressionen mehr und mehr Erinnerungen an diese Zeit auf – von den Vertreibungen der Bettler und Wohnungslosen in den letzten Jahren gar nicht erst groß zu reden.

Lieg ich im Suff am Boden, dann spuckt ihr mir ins Gesicht
Und ihr macht eure Witze, aber ich vergess das nicht
Du gehst aufrecht und ich auf allen Vieren
Doch mein Vorteil in dem Spiel: Ich hab nichts mehr zu verlieren
Du dagegen – Ist dein Job sicher?
Und wie lange zahlt es sich noch aus als Arschkriecher?
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, red nicht mit dem Penner von nebenan
Du glaubst, dir geht es gut, doch wer ist als nächstes dran
Doch bis dahin passt auf, dass ihr eure Viertel nicht verlasst
Denn ich wart auf euch – ich bin das Arschloch, das euch hasst

(Fischmob: Hey du Penner)

Die Bezeichnung „asozial“ war und ist die übliche Bezeichnung für die als „minderwertig“ eingestuften Menschen, die nach Ansicht der tonangebenden Gesellschaftsschichten nicht oder nur ungenügend arbeiten oder unangepasst leben – scheinbar unfähig zur Eingliederung.

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

Gemäß einem Grunderlass zur vorbeugenden Verbrechensbekämpfung vom Dezember 1937 konnten die „Asozialen“ im Rahmen dieser Prävention in ein Konzentrationslager eingeliefert werden. Durch die Aktion“ Arbeitsscheu Reich“ kam es 1938 zu Massendeportationen, oft mit tatkräftiger Unterstützung der Arbeits- und Fürsorgeämter.

Als „Asozial“ galten u.a. : Bettler, Körperbehinderte, Denunziantenopfer, Wohnungs- und Obdachlose, Aufsässige, Wanderarbeiter, Legastheniker, Roma und Sinti, weibliche Homosexuelle, Waisen, Prostituierte, Zwangsprostituierte, Frauen mit wechselnden sexuellen Kontakten, Kleinkriminelle, ständige Nörgler, Menschen, die Armen oder gar KZ-Häftlingen halfen, Anarchisten, Gehörlose, Analphabeten, so genannte Arbeitsscheue, Bummelanten, Faule, Autisten, Stotterer, nicht „Reinrassige“, Volksschädlinge, Volksverräter usw.usw.

Stacheldraht – mit Tod geladen

Die so als „Asoziale“ Verschleppten wurden mit einem „Schwarzen Winkel“ auf der Häftlingskleidung markiert. Diese KZ-Insassen standen zusammen mit den männlichen Homosexuellen und den jüdischen Gefangenen am untersten ende der Häftlingshierarchie.
Durch dieses System (der Kennzeichnung) waren die Gefangenen zum einen besser kontrollierbar, zum anderen wurde mit der Vergünstigung , einen anderen Winkel zu erhalten, KZ-Häftlinge zu Denunzianten und Spitzeln angeworben.
Auch – aber nicht nur in den genannten untersten Kategorien gab es dokumentierte Versuche interner Aufstiege.

Aber es waren nicht die Nazis, die das Wort „Asozial“ geprägt hatten.

Links zwei, drei ..“

Schon zuvor bei Sozialdemokraten und Kommunisten war die Arbeit heilig. Der Sinn der jeweiligen Arbeit wurde nicht hinterfragt. Vielleicht irgendwann im Paradies, aber auf Erden gings allein um Lohnerhöhungen und Arbeitszeiten.
Nur die AnarchistInnen waren es, die dem von Marx/Engels geprägten Begriff der „Entfremdung der Arbeit“ nachgingen und im Diesseits zum Programm machten. Mit dem Niederkämpfen durch Unternehmer und Sozialisten verschwanden diese Fragen mehr und mehr aus der Arbeiterbewegung und die Arbeit wurde zur Ideologie. Wollte dann doch einer nicht arbeiten, so galt er bei den Kommunisten und Sozialisten als „asozial“, ja, die Kommunisten prägten das Wort „Lumpenproletariat“

„Wer wirklich will, findet auch Arbeit“ diese heute ach so vertraute Aussage fand sich auch in den Gedanken und Aussagen der kommunistischen Arbeiterbewegung. Arbeit wurde mehr und mehr idealisiert.
Die so genannten „Helden der Arbeit“ dienten als Ansporn und Vorbild – kräftige Männer mit Hammer und Blick in die Zukunft gerichtet, an ihrer Seite die tüchtige Frau mit Sichel und Kopftuch.
Selbst Schwerstarbeit wurde verklärt.
Menschen, die sich diesem entzogen, galten als „gemeinschaftsschädigend“, als „asoziale Schmarotzer“.

Die deutschen Faschisten ihrerseits mochten das Wort „Asozial“ nicht und versuchten es durch andere Begriffe zu ersetzen. Aus „Asozialen“ wurden so „Volksschädlinge“, die es zu vernichten galt –

Vernichtung durch Arbeit

- Begriff der im NaziLagerSystem geprägt wurde. Gemeint ist die planmässige Tötung von Zwangsarbeitern oder Häftlingen durch Schwerstarbeit und mangelhafte Versorgung , oft 12 bis 16 Stunden Arbeit mit ungenügender medizinischer Versorgung, mit Folter und Misshandlungen bis hin zur direkten Ermordung.“

Der Einfluss der sogenannten Asozialen auf das Lagergeschehen war äusserst gering. Weder wurden sie von anderen Häftlingsgruppen unterstützt, noch entwickelten sie selber eigene Formen der Organisierung. In den Erinnerungen der anderen Überlebenden waren die vom „Schwarzen Winkel“ nur verachtet. Erst einmal in ein KZ eingewiesen, blieb ihnen nicht einmal die Hoffnung auf eine bessere Zukunft im Diesseits oder im Jenseits. Vor allem von den “Politischen“ wurden sie vehement abgelehnt. Hatten die „Politischen“ ihre Partei oder „ihre“ andere Welt als Hoffnung, so blieben die Asozialen nach Meinung der anderen nichts als ihr eigenes, von den Nazis als minderwertig eingestuftes selbstverschuldetes Leben.

Wir erinnern uns: als „Asoziale“ galten auch die, die nicht ordentlich gekleidet waren, oder weder die Nazi- noch die KPDZeitungen abonniert hatten, Jugendliche, die sich weigerten, der HJ beizutreten –also alle und jene, die den von den Nazis aufgestellten Normen nicht entsprachen.
Die Häftlinge mit dem „Schwarzen Winkel“ erlebten die gleiche gesellschaftliche Isolation und Diskriminierung wie in der Zeit zuvor und sollte sie bis in die heutige Zeit verfolgen.
In den Lagern wurden sie nicht als LeidensgenossInnen gesehen, sondern nur als Bedrohung.
Leichtes Spiel für die Nazis. Deren Ziel – die endgültige Beseitigung abweichenden Verhaltens.

Männer sind sich alle gleich … „

Ein besonders grausames Schicksal – die Frauen mit dem „Schwarzen Winkel“. Zu ihnen zählten nicht nur homosexuelle Frauen oder Prostituierte, sondern auch Zwangsprostituierte. 33 000 Frauen wurden in den Bordellen der SS, der Wehrmacht und in den Lagerbordellen der KZs zu Zwangsprostituierten.
Viele dieser Frauen wurden nach sechs Monaten „Einsatz“ als „Geheimnisträgerinnen“ sofort ermordet. Die anderen kamen danach in einen Sonderbau des KZ Ravensbrück.

Ein gesonderte Gruppe der „Asozialen“ bildeten die Sinti und Roma. Sie wurden in so genannten „Familienlagern“ innerhalb der KZs in abgesonderten Blöcken untergebracht , häufig dem Prügeln und Foltern auch durch Lagerinsasse ausgeliefert. Alle Roma und Sinti erhielten bei ihrer Einlieferung in die Lager eine Häftlingsnummer in den Arm eintätowiert –damit waren sie ausnahmslos für die spätere Ermordung vorgesehen.

Nach der Befreiung aus den Konzentrationslagern 1945 betrug der Anteil der Häftlinge mit dem „Schwarzen Winkel“ je nach Lager etwa 10 bis 20 %. Danach hat sich keiner/keine ernsthaft um das Schicksal dieser Verfolgten gekümmert. Erst 1987 wurde sich einem Teil dieser Vergessenen wieder erinnert – hier der Roma und Sinti, den männlichen Homosexuellen (Inzwischen auch den Deserteuren und aktuell den weiblichen Homosexuellen- Stand 4/2010)

Alle anderen als „Asozial“ verfolgten Menschen werden bis heute weitestgehend vergessen oder dienen weiterhin als das Negative, Abwertende, Diskriminierende in der Gesellschaft.

Lumpen – proletariat

Ich brauch‘ kein seid‘nes Taschentuch
Zwei Finger sind doch auch genug
Ich bin ein Lump, ich bin ein Lump
Ich bin ein liederlicher Lump

Schlips und Kragen sind mir fremd
Ich trag‘ viel lieber ein offenes Hemd
Ich bin ein Lump …

Schon damals in der Schule, oh, der Lehrer schrie:
Ein Schüler ohne Ordnung, das ist Anarchie
Doch es ist mir ganz egal, wie Ihr das benennt
Ich bleib‘ frech und froh, das ist mein Element
Ich bin ein Lump …

Mein Vater starb am Säuferwahn
Doch ich bau‘ lieber Hanfgras an
Ich bin ein Lump …

Neulich hab‘ ich eine Glatze gerupft
Die ist vor mir über’s Feld gehupft
Ich bin ein Lump …

Gestern in der U-Bahn, oh, der Schaffner schrie:
Sie haben keinen Fahrschein, das ist Anarchie
Doch es ist mir ganz egal, wie Ihr das benennt
Ich bleib‘ frech und froh, das ist mein Element. Ich bin ein Lump .
.“

(Mutabor)

Doch mehr und mehr lösen sie sich aus den individuellen stillen Protesten heraus und artikulieren sich öffentlich und gemeinsam , die „Faulenzer und Unterschichts“ Kampagnen greifen nicht bei ihnen nicht mehr, die übergewichtigten Asozialen entpuppen sich mehr und mehr als ein wütendes, sich selbstbehauptendes Individuum. Die Repressionen verblassen bei immer mutiger werdenden gemeinsamen Auftreten.

Gerald Grassl hat zum „Schwarzen Winkel“ einiges zusammengetragen.
• Desweiteren gibt es eine Broschüre(?) von Gerd Linner aus Köln („Autonomes Knastprojekt“)
• „Töne“ heute von Mutabor „Ich bin ein Lump“

Clara Wichmann

(Während des „Ostermarsches“ zu lesen)

Und darum richten wir uns weder nur gegen die Auswüchse des Zellensystems und der Gefängnisstrafe noch nur gegen das Zellensystem selbst noch nur gegen unser gegenwärtiges Strafsystem in seiner Totalität – wir richten uns gegen das Strafprinzip selbst

Was wie ein Text aus einer Antirepressionsbroschüre klingt, ist 88 Jahre alt und stammt aus der Schrift „Die Grausamkeit der herrschenden Auffassung über Verbrechen und Strafe“, geschrieben von Clara Wichmann, veröffentlicht in der anarchosyndikalistischen Zeitung „Der freie Arbeiter“ 1922

Geboren in Hamburg, verbrachte Clara den größten Teil ihres Lebens in den Niederlanden, wo ihr Vater als Hochschullehrer arbeitete. Nach ihrem Studium eröffnete Clara im Haus ihrer Eltern für kurze Zeit ein Anwaltsbüro. Bei dieser Arbeit kam sie mehr und mehr zur Erkenntnis, dass Kriminalität ein Produkt bestimmter gesellschaftlicher Verhältnisse ist und trat für eine radikale humane Änderung jeglichen Strafrechtes ein.

Der alten, uralten, aus den Anfangsphasen der Menschheit dauernden Lehre, dass Böses mit Bösem vergolten werden muss, stellen wir ein anderes Lebensprinzip entgegen – richtet nicht, vergeltet nicht, straft nicht. Nur indirekt kann das Verbrechen bekämpft werden – nicht durch Vernichtung, sondern durch das Wecken von Kräften, durch die Umgestaltung vernichtender Tendenzen in Schaffende, Aufbauende.“

In ihrer Kritik an der Idee der Vergeltung und dem Strafprinzip entwickelte sie schon 1920 eine libertäre Rechtsauffassung, die erst heute langsam und immer noch sehr begrenzt Thema wird –
z.b. im Abschaffen des Gefängnisse und dem Hinterfragen jeder Strafe.
Als Antimilitaristin arbeitete sie ab 1917 mit dem Anarchisten Bart de Ligt in der „Internationalen antimilitaristischen Vereinigung“ zusammen – hier besonders erwähnenswert die Gründung eines Aktionskomitees gegen die bestehenden Auffassungen von Verbrechen und Strafe. Entstanden auch aus der Situation der Kriegsdienstverweigerer des 1. Weltkrieges.

Clara Wichmann engagierte sich zudem um 1910 stark in der Frauenbewegung und schrieb Artikel zu Fragen des Tierrechtes.

Die Rache ist eines Anarchisten unwürdig. Der Morgen, unser Morgen, verfestigt weder Streitereien noch Verbrechen noch Lügen. Er festigt Leben, Liebe, Wissenschaft“(Kurt Wilkens)

Historisch ist die Strafe aus der Rache und dem Rachetrieb entstanden, die in der Vergeltung weiterlebt – in der staatlichen Ordnung genauso wie oft noch in den eigenen oder uns verwandten Reihen dementsprechende Aktionen fast selbstverständlich hervorbringt.

Stärker als all diese Zwecke die man mit der Strafe erzwingen will, lebt in dem Menschen noch die alte Vergeltungside, in der die Rache verborgen weiterlebt. Diese verlangt, dass demjenigen, der Leid verursachte, auch wieder Leid geschehen soll. Sie wollen alles verrechnen, alles begleichen. Das eigentliche Strafrecht ist nur eine ihrer Äußerungen, wir finden sie auf allen Gebieten des persönlichen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens. Gerade dieses auf Rache beruhende Prinzip ist es, das verschwinden muss. Und darum richten wir uns weder nur gegen die Auswüchse des Zellensystems und der Gefängnisstrafe noch nur gegen das Zellenstystem selbst noch nur gegen unser gegenwärtiges Strafsystem in seiner Totalität – wir richten uns gegen das Strafprinzip selbst. So wie dieses es lehrt, darf das Verhältnis von Mensch zu Mensch nicht sein. So sollten Menschen einander nicht gegenüberstehen.

Claras Motivation war zum einen der gewaltlose Widerstand, der sich in der Konsequenz aus der Ablehnung des Prinzip Strafe ergibt und zum anderen dem Eintreten in die anarchistische Gesellschaft. In vier Artikeln, u.a. in „Die Befreiung des Menschen und der Gesellschaft“ begeistert sie sich für die Ideen des Anarcho-Kommunismus.

In einer wirklichen Gemeinschaft würde Bereitwilligkeit herrschen, um uns gegenseitig zu helfen, unsere Fehler und unsere Verfehlungen zu überwinden. Wir würden nicht, wie momentan, vor allem Acht geben auf die „bedrohten Rechtsgüter“ sondern auf die Menschen, die mit sich selbst zu kämpfen haben und würden uns bewusst sein, dass es jedes Mal unser aller Fehler ist, wenn diese in diesen Kämpfen unterlegen. Und deshalb auch wenn wir jede wirkliche und aufrichtige Strafreform willkommen heißen – unser Handeln geht weiter. Wir verlangen radikale Umbildung, keine teilweise Verbesserung. Wir sehen ein anderes Prinzip als das der Strafe, das einer neuen Zeit, einer geschwisterlichen Menschheit, die mehr und mehr mit dem Strafprinzip überhaupt brechen wird.

Bei „Töne“ Billy Bragg mit „Between the wars

.

Toyi Toyi – eine Kultur des Widerstands

Wir sind Toyi Toyi .Wir sind die revolutionäre Gegenbewegung. Wir sind die Geburt der neuen Gesellschaft im Körper des alten. Wir sind der neue Lebensstil, in dem sich neuen sozialen Werte und die neuen kollektiven Organisationen wieder finden, die sozialpolitische Struktur der freien Gesellschaft. Wir schaffen eine neue klassenbewusste Bewegung, das UhuruNetzwerk, mit Stolz und Respekt und sozialem Bewusstsein gegen die kapitalistischen Sklavenhalter. Wir fangen an alles zu ändern, beginnen mit unserem Leben und unserer Lebensweise, mit all den Widersprüchen in unserer Gemeinschaft. Das ist der Anfang. Wir müssen sehen, wohin uns Selbsthass, Uneinigkeit, Misstrauen, gegenseitige Gewalt und die repressiven sozialen Bedingungen führen. Bedingungen aus dem Erbe der Sklaverei und der Gegenwart des Kapitalismus.“ (Toyi Toyi Netzwerk Simbabwe).

Toyi Toyi ist eine Kombination aus Lied und Tanz, entstanden in Simbabwe. Bekannt durch die Proteste vor allem während der Apartheid in Suedafrika- aber auch heute noch als Protestform genutzt durch Parolen oder Líeder – oft improvisiert. Seit 2004 ist die Ausübung von Toyi Toyi in Simbabwe total verboten – auch in Innenräumen und wird brutal verfolgt. In Suedafrika ist Toyi Toyi vor allem in den Townships sehr beliebt. Soziale Bewegungen wie Abhahali Bas Mondolo oder die Kampagne gegen die Vertreibung nutzen die Möglichkeit des Toyi Toyi für Proteste und Kampagnen

Der Toyi Toyi ist unsere Waffe. Wir haben nicht die Technologie der Kriegsführung, das Tränengas und die Tanks der Regierung, aber wir haben den Toyi Toyi

Beim Toyi Toyi wird von einem Bein auf das andere gehüpft, die Knie möglichst hoch gezogen – so bewegen sich oft Hunderte von Menschen, um der Regierung und der Polizei zu zeigen, dass die Unterdrückten bereit sind zu kämpfen.
Trotz Verbote und Repressionen versucht das Toyi Toyi Art Kollektiv in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe, das Toyi Toyi auch und gerade hier an seinem Ursprung zu erhalten – als eine Kultur, ein weg des Widerstandes und des Lebens.(Näheres zum „Toyi Toyi Art Kollektiv“ und Toyi Toyi bei http://www.archive.org/details/ToyiToyiUndZimbabwe

Bei „Töne“ habt ihr eine (englischsprachige) Anleitung zum „Toyi Toyi“http://www.youtube.com/watch?v=_gQkWMekXeQ