STRAFLOS – abolitionistische Streitschrift

Abolitionismus = Abschaffungs-Bewegung

Heißt eigentlich also nur: Hau weg den Scheiss! Gab es gegen die
Sklaverei in den USA, gegen die staatliche Kontrolle der Prostitution,
gibt es gegen die Todesstrafe, gegen Gefängnisse und Strafjustiz
allgemein. Letzteres ist hier gemeint. War besonders verbreitet
in den skandinavischen Ländernin den 70er und 80er Jahren. Staatliche
Reaktionen darauf waren einige Lockerungen, Reformen (angebliche
„Resozialisierung“). In den letzten 20 Jahren aber wieder
viel Rückschritt in Richtung Straflogik. Doch es gibt weiterhin Vernetzungen
der Bewegungen gegen Gefängnisse und Strafjustiz, alle 2
Jahre einen Weltkongress (ICOPA) auf wechselnden Kontinenten
zwecks Theorie- und Erfahrungsaustausch. (Auch wir meinen, in reaktionären
Zeiten sei es besonders wichtig, kritisches Denken & Handeln weiter zu entwickeln,
Alternativen vorstellbar zu erhalten.)

Die Nr.2 ist nun erschienen. Daraus der nachfolgende Artikel:


„Gesellschaft ohne Knäste
“ -
klingt heute irgendwie daneben. Wie
soll das denn gehen? Und will das wirklich einer oder eine? Gegen
die Todesstrafe was tun oder weil eine unschuldig ist, ja, kein Problem!
Andere haben dann da noch ihren eigenen „politischen Gefangenen“.
- Aber kein Einsperren mehr, keine Vergeltung, keine
Gerechtigkeit?
Und schon sind sie alle in die Falle getappt, sind diszipliniert in der
Disziplinierungsgesellschaft, zwischen Zugeständnissen und täglichen
kooperierenden Überwachungen -“Wer sich an die Gesetze
hält, dem passiert nichts“ – und merken nicht, dass auch sie längst
im Fadenkreuz sind
Eigentlich brauchen wir hier ja nichts mehr tun: In naher Zukunft
werden die Knäste von sich aus verschwinden. Hausarrest mit Fußfesseln
schon beschlossene Sache. Elektronische Halsbänder werden
schon diskutiert, private Sicherheitsdienste, Chipkarten, Internetkontrollen
Kameraüberwachung, biometrische Zuordnung schon
praktiziert, bereit für Ausgrenzung bestimmter sozialer sozialer
Schichten, Migranten, illegalisierte Flüchtlinge. Alles geplant als
gut geölte Maschine mit „no-go-areas“. Nur mit entsprechender
Karte zu betreten.
Aber die Umwandlung in die Kontrollgesellschaft ist noch nicht
abgeschlossen. „Null Toleranz“, „Strafverschärfung“ – fast könnten
wir von einer „Wiederentdeckung des Gefängnisses“ sprechen, wenn
auch mehr und mehr aus Kostengründen privatisiert wird. Immer
neue, andere Bedrohungszenarien werden aufgebaut: „Die da müssen
weg, gehören abgeschoben, eingesperrt.“
Wenn wir hier wieder und weiterhin von „Gesellschaft ohne Knäste“
reden, so heißt dies, all das gerade Gesagte anzugehen, aufzubrechen,
Alternativen dazu zu entwickeln – weil sich immer weniger durch
ein „mich betrifft das nicht“ rausreden können. So werden z.B.
immer mehr Menschen gezwungen, ihr tägliches Überleben zu
sichern, greifen zu „illegalen Methoden“. 80 % der Inhaftierten
sind so genannte „Eigentumsdelikte“.
„Gesellschaft ohne Knäste“ heißt heute und hier unsere Beziehungen
zu einander zu verändern. Konflikte können nicht eingesperrt
werden. Das heißt täglich Lösungen zu suchen und zu finden, ohne
auf Bestrafung zurückgreifen zu wollen. Heißt auf Dauer eine radikale
Veränderung dieser Gesellschaft.Viele von uns (mich eingeschlossen)
haben vielleicht noch ihre eigenen Rachefantasien. Aber
ich denke, wir alle haben auch unsere jeweiligen alternativen Konfliktlösungen,
sei es in privaten oder öffentlichen Zusammenhängen,
bis hin zu bestimmten Methoden der Selbstverteidigung.
Seitdem es diese Kämpfe gibt, ist eigentlich alles schon gesagt worden.
Ich möchte daher abschließend einige Sätze von kämpfenden
Gefangenen aus Italien vorbringen:

Wir sind gegen den Knast …
Wir sind gegen den Knast, weil er geschaffen und entwickelt wurde, um die Privilegien der
Reichen und die Macht des Staates zu beschützen.
Wir sind gegen den Knast, weil eine Gesellschaft ihn nicht mehr braucht, wenn sie nicht auf
Geld und Profiten, sondern auf Freiheit und Solidarität basiert.
Wir sind gegen den Knast, weil wir nach einer Welt streben, wo die Regeln wirklich
gemeinsam entschieden werden.
Wir sind gegen den Knast, weil selbst das grausamste Verbrechen irgend etwas über uns selbst
erzählt, über unsere Ängste, unsere Schwächen.
Wir sind gegen den Knast, weil nichts Gutes auf Unterwerfung und Zwang wachsen kann.
Wir sind gegen den Knast, weil wir diese Gesellschaft radikal verändern wollen (und deswegen
ihre Gesetze übertreten), weil wir uns nicht friedlich in ihre Städte, ihre Fabriken, ihre
Kasernen, ihre Einkaufszentren integrieren wollen.
Wir sind gegen den Knast, weil der Lärm der Schlüssel im Zellenschloss eine tägliche Folter
ist, Isolation eine Abscheu, das Ende der Sprechstunde eine Qual, die eingesperrte Zeit eine
Sanduhr, welche langsam tötet.
Wir sind gegen den Knast, weil er uns entweder viel zu viele Tage, Monate oder Jahre, oder
viel zu viele FreundInnen, Unbekannte oder GenossInnen weggenommen hat.
Wir sind gegen den Knast, weil die Menschen, die wir darin getroffen haben, weder besser
noch schlechter sind als diejenigen, die draußen rumlaufen. (Obwohl wenn ich nachdenke,
sind sie doch besser).
Wir sind gegen den Knast, weil die Nachricht eines Ausbruchs unsere Herzen aufwärmt, mehr
als der erste Tag des Frühlings.
Wir sind gegen den Knast, weil eine Gesellschaft, die es braucht, Menschen einzusperren und
zu entmündigen, selbst ein Knast ist.
Kündigen wir dieser Gesellschaft, ersetzen wir ihre Gesetze und ihr Recht durch unsere
eigenen Regelungen !

Deshalb : Für eine Gesellschaft ohne Knäste

Das ganze Heft bei :
http://autonomes-knastprojekt.blogspot.com/

Bei „Töne“ hört ihr das schon klassische Lied „Liberare Tutti“

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Google Bookmarks